Mass Effect 2

Mass Effect Teil 2, und wie immer ist die Aufgabe überschaubar:

pressure

Man sollte übrigens häufiger mal Renegade klicken, denn Renegade-Shepard hat zum Beispiel zwischendurch interessante Eingebungen, warum es nicht so recht vorwärts geht – die NPCs halten den Laden auf:

strings

ME 2 beginnt mit einem Knall: Die Normandy SR-1 fliegt uns um die Ohren, Commander Shepard stirbt dadurch. Wie sich rausstellt, hat der Commander allerdings mächtige Fürsprecher, die ein Interesse an der Lebendigkeit von Shepard haben. Geld schießt eben doch Tore, und deshalb hält diese Leute selbst der Hirntod des Commanders nicht auf. Ein paar Körperteile mussten durch Cybernetics ersetzt werden, aber äußerlich sieht man bis auf ein paar Narben fast nix davon…

Als der Big Spender stellt sich Cerberus heraus, eine Truppe aus dem Dunstkreis der Humanity-First-Bewegung des ME-Universums. ME 1 konnte man durchspielen, ohne diesem Verein je zu begegnen. Für Cerberus kommt zunächst mal die Menschheit, dann kommt lange nix, und dann kommen die restlichen Aliens der Galaxie. Cerberus baut nicht nur den Commander wieder zusammen und rekrutiert Teile der alten Crew, sondern baut auch eine neue Normandy, die SR-2. Natürlich größer und besser. Geld spielt keine Rolle. Der Spieler muss sich im Verlauf des Spiels dann immer wieder mit folgenden Fragen auseinandersetzen: Wie sehr sollte man mit Cerberus zusammenarbeiten? Wer benutzt hier eigentlich wen für seine Zwecke? Macht man sich die Ideologie von Cerberus zu eigen? Und besonders am Ende: Macht man sich zum Erfüllungsgehilfen, oder hat man eine eigene Agenda? Die Story von ME 2 dreht sich natürlich weiterhin um die Bedrohung durch die Reaper.

Cerberus bringt selbstverständlich seine eigenen Leute mit auf die SR-2. Zu den neu in die Geschichte eingebrachten Figuren gehört zum Beispiel Miranda Lawson, die für die Wiederbelebung von Shepard zuständig war und im weiteren Verlauf als Cerberus-Aufpasserin ein Auge darauf wirft, was wir denn mit der SR-2 treiben. Zu Anfang macht sie noch auf taff und behauptet „I’m perfect in every way„, alles an ihr ist nämlich im Reagenzglas durch handverlesene Gene konstruiert worden – das hatte ich soweit ich mich erinnere in noch keinem Computerspiel. Miranda ist also Miss Effin‘ Perfect… Sie gehört jedenfalls zu den Leuten, die so unglaublich gut sind bei dem was sie tun, dass sie auf High Heels ins Gefecht zieht:

heels

Erwartungsgemäß fanden sich im weiteren Spielverlauf dann doch noch weiche Stellen an  Frau Perfect. Character Development, wissenschon… Wenn sie bis zum Abspann überlebt, kündigt sie sogar noch bei Cerberus.

Der Import des letzten ME1-Spielstands funktioniert über ein kleines Werkzeug. Einen kleinen Bock hatte sich Bioware geschossen, weil in ME 1 noch nach dem letzten Auto-Speichern eine wichtige Entscheidung getroffen wird: Wer soll ins Council aufrücken, Udina oder Anderson? Diese wichtige Weichenstellung passierte erst nach dem letzten Speichern. Das Problem wird durch ein kleines Frage-Antwort-Gespräch in ME 2 umschifft. Es gibt noch ein paar andere kleine Glitches. So behauptet Conrad Verner gerne mal, man hätte ihn in ME 1 angeschossen – auch wenn man total friedlich blieb.

Die Tastenbelegung wurde gegenüber ME 1 total auf links gedreht. Ich habe mir die Tasten daher so umbelegt, dass es weitgehend der ME1-Steuerung entsprach. Es bleibt Biowares Geheimnis, warum das Spiel zwar eine Funktion zum Screenshots machen enthält, diese aber nicht nach draußen geführt ist, und nur mit Eingriffen in den ini-Dateien des Spiels per Modding-Tool aktivierbar ist (Stichwort „ME2 Coalesced Editor“). Ebenso muss ins Rad greifen, wer wie ich als deutscher Kunde bei EA Origin gekauft hat und auf Englisch spielen will. Anders als Steam hat Origin keine eingebaute Möglichkeit zum Herunterladen einer bestimmten Sprachversion des Spiels. Die englischen Sprachdateien sind aber im Download enthalten. Ich sage nur SKU = INT…

Nach den reichlich vorhandenen Wahlmöglichkeiten bei den Skills in ME 1 und dem Exzess beim Inventar schwingt in ME 2 das Pendel genau zum anderen Extrem: Es gibt überhaupt kein Inventar mehr, sondern nur noch globale Waffenupgrades. Das Skill-System wurde ebenfalls auf ein Minimum eingedampft. Mein Liebling ist ja dieser Skill hier:

tougher

„Makes you tougher, stronger, faster and more charismatic“ – dieser Skill ist also für so gut wie alles zuständig… Die Skill-Auswahl ist so begrenzt, dass mir gegen Ende keine sinnvolle Verwendungsmöglichkeit für meine Punkte mehr einfiel, und ich deshalb in irgendwelche Bullshit-Skills investiert habe, die ich dann nie benutzt habe. Kryo-Munition hilft gegen alles, deswegen ist der Rest im Zweifel entbehrlich.

In ME 2 haben die Waffen jetzt nicht mehr unendlich Munition. Die Kämpfe werden durch die Nachladepausen etwas taktischer. Außerdem kann es natürlich passieren, dass einem zwischendurch die Munition ausgeht oder zumindest knapp wird. Die Squadmates und die Gegner sind von diesen Einschränkungen aber nicht betroffen. Im offiziellen Sprachgebrauch des Spiels sind die zwei Squadmates jetzt übrigens henchmen. Das weckt bei mir seltsame Assoziationen an Henker.

Auf der SR2 gibt es viele Annehmlichkeiten, die wir auf der SR1 nicht hatten. Zum Beispiel Toiletten. Nur welcher Architekt hat eigentlich die Kloschüsseln direkt hinter den Eingangstüren der Toiletten eingebaut? Wenn einer zu Throne sitzt, kann man ihn somit draußen vom Flur aus sehen. Geht man auf die jeweils andersgeschlechtliche Toilette, weist einen die Schiffs-AI freundlich auf den Irrtum hin. Das ist ein Running Gag in Computerspielen seit Deus Ex 1. Es gibt einen richtigen Schiffskoch. Das ist gleichzeitig der Mann, der für die Toilettenreinigung zuständig ist. Da bekommt man doch Appetit?

ME 1 hatte einen unwichtigen Knopf, an dem ich aber einen ziemlichen Narren gefressen hatte: „Toggle Helmet“, mit dem man den Helm auf- und absetzen konnte. Da hatte ich im Spielverlauf intensiv Gebrauch von gemacht, weil ich es unhöflich fand, einem Gesprächspartner mit aufgesetztem Helm gegenüberzutreten. Anschließend hieß es dann „Helm auf zum Gefecht!“. Die Möglichkeit zum Helm auf- und absetzen wurde in ME 2 gestrichen. Der Helm dient allerdings nicht mehr nur der Optik, sondern bringt in ME 2 jetzt 5 % zusätzliche Panzerung. Gut aussehen im Gespräch war mir aber wichtiger, deshalb habe ich ganz unvernünftig auf die 5 % verzichtet und das ganze Spiel ohne Helm gekämpft.

Wenn in ME 1 das Schiff gedockt war, konnte man direkt aus dem Schiff durch die Luftschleuse bis ins Kampfgebiet durchspazieren. ME 2 ändert diese Mechanik, dadurch ist jetzt jeweils ein Missions-Abschlussbericht möglich, aber der Preis dafür ist, dass man immer und immer wieder docken muss.

Mass Effect 2 lässt einem während der Story-Mission jetzt explizit freie Zeit für Nebenmissionen, während ME 1 einen „schnell, schnell“-Narrativ hatte.

Das papierlose Büro hat sich übrigens auch im Jahr 2185 noch nicht durchgesetzt:

papierlos

Am Ende startet man dann zu der Mission, auf die man das ganze Spiel über hingearbeitet hat: Die Durchquerung des Omega-4-Relays, um es den Collectors mal so richtig zu besorgen. Alles was man vor diesem Zeitpunkt im Spiel getan hat, hat jetzt Konsequenzen. Wenn man die Mannschaft und das Schiff gut vorbereitet hat, kommt man mit wenigen oder sogar gar keinen Toten von diesem Himmelfahrtskommando zurück. Hat man geschludert oder getrödelt, dann sterben im Finale Crewmitglieder. Die tauchen dann in ME 3 nicht mehr auf bzw. werden dort durch neu eingeführte Figuren ersetzt. Es soll sogar möglich sein, dass man durch besondere Aktionen den Tod Shepards provoziert, ohne dafür wie sonst üblich einen kritischen Missionsfehler zu kassieren (Edit: Dieser Fall tritt ein, wenn soviele Leute sterben, dass keine ordnungsgemäße Besetzung des Squads mehr möglich ist). Diese Alles-hat-Konsequenzen-Mechanik macht ME 2 zum vielleicht besten der drei Mass-Effect-Spiele. Der tatsächliche Endkampf kackt dagegen im Vergleich zu ME 1 und besonders 3 etwas ab, denn der „Endgegner“ (ein Baby-Reaper) kann sich nicht wirklich wehren.

Nach 28 Stunden sah ich den Abspann von ME 2. Erstmals ist es so, dass man auch nach dem Abspann weiterspielen kann und das Erreichte in den ME3-Import-Spielstand übernommen wird. Das betrifft insbesondere die Leute, die eine Romanze mit Kelly Chambers angefangen haben. Das „große Finale“ gibt es dort erst nach der Omega-4-Mission.

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