Am Scheideweg

So, liebe Studis, jetzt müsst ihr euch so langsam entscheiden. Ihr seid jetzt drei Semester dabei, es wird Zeit, dass ihr festmacht, was ihr in eurem weiteren Leben noch erreichen wollt. Vielleicht die Position eines namenlosen Bilanzierungs-Sachbearbeiters, den man besser nicht der Öffentlichkeit vorzeigt? Hochqualifizierter Marketing-Master, um den sich alle Firmen reißen? Oder aufstrebender Personalmensch, der eines Tages mal einen halben Konzern unter sich hat?

Die Entscheidung für die Studienschwerpunkte im "Hauptstudium" (bei uns im Bachelor-Studiengang nennen sie das "Vertiefungsbereich") hat also durchaus Tragweite. Zur Wahl stehen Steuern/Externe Rechnungslegung, Controlling, Human Ressource, Marketing, Supply Chain Management und Finanzwirtschaft. Zwei davon muss man wählen. Gegenüber dem Diplomstudiengang ist die Auswahl sehr eingeschränkt, früher gab es zum Beispiel den Schwerpunkt Arbeitsrecht, und um von 8 auf 6 Semester runterzukommen, wurde auch an den Schwerpunkten gestrafft und gekürzt. Wer im Diplom alle Vorlesungen anwählte, die was mit Steuern zu tun hatten, hatte am Ende 40 Semesterwochenstunden deutsches Steuerrecht intus und war beruflich qualifiziert als Steuer-/Wirtschaftsprüfungsassistent. Im Bachelor kommt man auf maximal 16 SWS Steuern. Der Prof brachte es nicht über die Lippen, aber für den Steuer-Wirtschaftsassi gilt bei uns "könn'se vergessen!". Wer da hin will, braucht zukünftig einen Master.

Es zeichnet sich bereits ab, dass die Schwerpunkte SCM und HRM wohl derbe überlaufen sein werden, despite Professor Jorzik's best efforts uns die Entscheidung für HRM auszureden. Wer nichts besseres weiß, macht eben Human Ressource Management. Scheiß drauf, dass es dafür sinnvoll wäre, komplizierte Texte zum Thema Personal sinnmäßig erfassen zu können. Das gab schon im Grundstudium ein Blutbad. Jetzt knubbeln sich die gleichen Strategen wieder bei Jorzik in der Vorlesung und hoffen, dass sie in den letzten zwei Semestern wundersamerweise mit der Gabe des intuitiven Textverständnisses gesegnet wurden…

Man will es fast nicht glauben, aber es gibt auch etwas, wo die gurkige FH Dortmund gut drin ist. Professor Müller tritt an, seinen Studenten eine 1a Marketing-Ausbildung zu geben. Da bleibt es auch nicht beim bloßen Lippenbekenntnis, sondern er schafft das auch. Wer noch den besagten Marketing-Master draufsattelt, am besten von einer der im Marketing renomiertesten FHs Deutschlands (Osnabrück, Reutlingen, Rhein-Sieg…), der hat sich einen Abschluss erarbeitet, mit dem man sich sehen lassen kann. Die Betonung liegt hier auf "erarbeiten", denn Müller-Marketing ist zwangsläufig mit 5-10 Stunden Arbeit pro Woche außerhalb der Vorlesung verbunden. Ich tippe mal, dass maximal 10 von 100 Leuten den Schwerpunkt Marketing wählen werden, weil dort der Hammer kreist.

Es gab tatsächlich Leute, die bis heute nicht mitgekriegt haben, dass es den Schwerpunkt Arbeitsrecht nicht mehr gibt. Mein ernstgemeinter Rat, dann doch bitte schnellstens die Hochschule zu wechseln, wenn man denn unbedingt Arbeitsrecht will, ist mir gleich mal so ausgelegt worden, als würde ich bestimmte Leute gerne loswerden. Nichts liegt mir ferner als das. Ich bin ein Menschenfreund. Und hier kommt auch wieder mein Komplex durch. Ich kann es nicht mitansehen, wenn Leute vor die Wand laufen. Das deprimiert mich. Es bringt einfach nichts, sich selbst zu bemitleiden, wenn der gewollte Schwerpunkt nicht mehr existiert. Dann sollte man so konsequent sein und *handeln*, und das bedeutet in diesem Fall einen Wechsel der Hochschule. Was bitteschön würde jemanden an der FHDO halten, wenn man sich dort nicht verwirklichen kann? (gut, es gibt immer Argumente, "kann sich einen Umzug an einen anderen Studienort nicht leisten" wäre eines, "mein Freund wohnt aber hier in Dortmund" wäre aber definitiv ein ganz schlechtes Argument).

Meine Wenigkeit hatte ursprünglich geplant, SCM und Steuern/Rechnungslegung zu belegen. Jetzt stellte sich raus, dass das so nicht geht, weil beide Schwerpunkte erst ab Wintersemester 08/09 angeboten werden. Ich brauche aber einen Schwerpunkt, den ich ab SS 08 belegen kann, wenn ich nicht ein Semester verlieren will. SCM will ich auf alle Fälle haben, weil SCM noch am ehesten für meine spätere Berufstätigkeit sinnvoll ist, und außerdem computermäßig angehaucht ist. Anstatt Steuern/Rechnungslegung werde ich wohl Finanzwirtschaft belegen. Das bringt mich zwar beruflich nicht weiter, aber ich habe privates Interesse daran. Währungsabsicherung, spekulative Finanzinstrumente und ähnliche Spielchen. Yarr…

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.