Echowelle

Es kann nur besser werden???

Star Trek Online - Spielinhalt

echoray | 28 Januar, 2010 20:06

Nun also zur Frage "wie spielt sich STO denn nun?" Ich werde hierzu ein paar Vergleiche zu EVE Online ziehen. Zum einen, weil beide im Weltraum spielen, zum anderen, weil es das einzige MMORPG ist, das ich über wirklich längere Zeit gespielt habe.

STO spielt im "Prime Universe", also nicht in der kaputten Zeitlinie des neuesten ST-Films von J.J. Abrams. Das Spiel ist 30 Jahre nach ST:Nemesis angesiedelt, im Jahr 2409. Das ist reichlich viel Zeit, und bedeutet, dass der Großteil der bekannten Charaktere aus den Fernsehserien wohl längst in Rente ist. Selbst die ehemaligen Youngsters wie Ezri Dax (so es sie denn noch geben sollte) sind nach so langer Zeit inzwischen alt und grau und faltig. Nein, die Sternenflotte wird inzwischen von der ehemals allerjüngsten Garde am Laufen gehalten: Naomi Wildman (die kleine sechsjährige Kackbratze von der Voyager) hat es inzwischen zum Commander gebracht, und Miral Paris (das Kind der Voyager-Offiziere Torres und Paris) ist immerhin Lieutenant.

Klingonische Allianz, Borg, Undine (the artist formerly known as Spezies 8472), Romulaner... STO spielt zu einer Zeit, als scheinbar alle gegen die Föderation sind. Vielleicht hat Cryptic es etwas übertrieben. So viele Feinde, das kann eine politische Allianz wie die Föderation zum Zerbrechen bringen. Bei genauerem Hinsehen hat sich das klingonische Empire aber in einem verlustreichen Krieg mit den Gorn aufgerieben, die Romulaner müssen die Zerstörung ihres Heimatplaneten verkraften (siehe den neuesten Star Trek Film), die Cardassianer sind 30 Jahre nach Ende des Dominionkrieges gerade wieder so auf die Füße gekommen, die Borg sind dank Captain Janeways Aktionen noch immer geschwächt. Bleiben die Undine als einzig wirklich ernstzunehmender Gegner. Trotzdem machen auch die anderen Fraktionen mehr als genug Ärger. Man muss wohl aus besonders hartem Holz geschnitzt sein, wenn man in solch finsteren Zeiten Dienst in der Sternenflotte schiebt. Soviel Kampf, das schreit geradezu nach harten Jungs und Mädels mit Biografien wie einst Tasha Yar: "Auf einem gesetzlosen Planeten aufgewachsen, früh gelernt sich durchzusetzen, mit 16 Jahren den ersten Frachter voller Pergium geflogen, danach Starfleet gejoined und eine Kampfsau geworden" oder so.

Seit der Open Beta sind alle gängigen Föderationsrassen an Bord, darunter auch die von mir heiß und innig geliebten Trills. In der Closed Beta musste ich mir meine Trill-Dame noch per Hand über die Unknown-Alien-Rasse stricken. Wie alle Cryptic-Spiele lässt sich auch STO bei der Customization der Characters nicht lumpen. Nach der Erstellung eines Characters beginnt das Spiel mit einem Paukenschlag. Als kleiner Ensign findet man sich inmitten eines Borg-Angriffs wieder. Dies wird als Tutorial genutzt. Am Ende sind alle höherrangigen Offiziere des eigenen Schiffs tot. Als Dank für die heroischen Taten wird man zum Lieutenant befördert (den in Star Trek dazwischengeschalteten Rang des LT junior grade kennt das Spiel nicht) und wird permanent zum kommandieren Offizier des Schiffs ernannt. Dabei handelt es sich um Varianten der Miranda- oder Excelsior-Klasse. Diese Schiffe sind im Jahr 2409 mindestens 130 Jahre alt. Da kann der kleine unerfahrene LT wenigstens keinen großen Schaden anrichten...

Star Trek Online Beta Impressionen

[LCDR Kalasha Hzabi, mein Character aus der Open Beta, und ihr Außenteam. Mögen sie alle in Frieden ruhen, denn sie fielen dem Character Wipe am Ende der Beta zum Opfer]

Man sollte sein Anfängerschiff lieben lernen, denn man kommt erst nach geschätzt 20 Spielstunden da raus, wenn man nämlich Lieutenant Commander wird. Ab jetzt wird einem zunehmend weniger geschenkt. Die Klingonen schicken jetzt Boarding Parties rüber, die Gorn halten sich auch nicht mehr zurück und verteilen herzhaft Giftbisse – man kann dann für einen Moment nicht weiter kämpfen, weil man größere Mengen Mageninhalt auf dem Fußboden verteilt. Das ist der Punkt, wo man sich kurz fragt "hätte ich bei der Character Creation vielleicht doch besser die 10 % Resistenz gegen Giftattacken wählen sollen?". Auch die bei Trills angeborene Resistenz gegen Toxic Damage half nicht wirklich weiter. Es hilft also alles nichts, und man kommt dann schnell auf den Trichter, sich einfach immer ein paar Meter von den Gorn fernzuhalten.

Der Raumkampf ist viel taktischer als in EVE. Dort erschöpft er sich im wesentlichen darin, Shield und Capacitor zu beobachten und ansonsten einfach zu warten, bis das feindliche Schiff platzt. In STO dagegen muss ich manövrieren, immer das stärkste Schild zum Feind hin halten und differenzierte Taktiken gegen kleine und größere Gegner anwenden Das Spiel belohnt mich, wenn ich ein guter Pilot bin, denn man ist schneller fertig mit den Feinden, wenn man gezielt immer wieder in die sich gerade bietende Schwachstelle des Gegners stößt.

Star Trek Online Beta Impressionen

[Die USS Chian'dara, mein letztes Schiff in der Beta, eine reinrassige Saber-Klasse. Im Hintergrund die Erde]

Draußen in den Previews wird meistens der Space Combat besonders gelobt. Ich persönlich mag den Ground Combat aber noch lieber. Ich freue mich jedes Mal, wenn ich auf einen Planeten runterbeamen kann – okay, bis auf das eine Mal, wo wir uns in einem elenden Sandsturm wiederfanden. In Echt würde niemand sich in so einen Sturm begeben ohne einen Environmental Suit. Ich habe ziemlich geflucht, bis ich – fast ohne Sicht – die fünf Seismografen gefunden hatte, um die ich mich kümmern sollte. Das Außenteam dürfte nach dieser Aktion ziemlich viel Sand im Höschen gehabt haben. Diese Mission wurde dann bereits in der Open Beta etwas entschärft. Ein Tipp noch: Man verachte den Nahkampf nicht. Trotz aller Kompressionsphasergewehre geraten die Kämpfe in STO gerne mal im positiven Sinne außer Kontrolle. In solchen Situationen retten ein paar Nahkampf-Moves den Tag – und sehen cool aus.

Im PvE-Bereich wird in Form so genannter "Episoden" eine Story mit mehreren Fäden und unerwarteten Wendungen erzählt. Cryptic hat da ein paar gute Leute eingekauft, die bereits erfolgreich im Bereich Star Trek publiziert haben, und sich wirklich mit dem ST-Universum beschäftigt haben. Ich konnte bislang keine groben Schnitzer entdecken wo ich sagen musste "das widerspricht jetzt aber dem Canon". Im Gegenteil: Wer ein Faible für das Weiterspinnen der ST-Geschichte nach DS9/Voyager/Nemesis hat, der muss STO einfach mögen. Unter den Episoden sind einige echte Highlights. Mein persönlicher Favorit ist bislang "City on the Edge of Never", eine Episode, die mich zunächst zum "Guardian of Forever" führte, einem aus der alten Serie von 1960 bekannten Zeitportal, und sodann weiter in die Vergangenheit zur Zeit Kirks, um die Zeitlinie wieder herzustellen. Diese Episode zeigt meiner Meinung nach das große Potenzial, was in STO steckt. Leider sind noch nicht alle Missionen so gut durchgestaltet wie diese Perle.

Star Trek Online Beta Impressionen

["Erinnerungsfoto". Das Außenteam vor dem Guardian of Forever, nachdem die Zeitlinie wieder geradegerückt ist]

Daneben gibt es Patrol-Missionen, das sind kleine Mini-Episoden, die weniger Zeit beanspruchen. Diese waren in der Closed Beta etwas unbeliebt, weil Missionen vom Typ "fliegen Sie mal raus und kommen Sie erst wieder, wenn Sie 20 tote Klingonen vorweisen können" darunter waren. Das wurde geändert, und einige davon bewegen sich qualitativ nahe am Niveau einer ausgewachsenen Episode.

Zum Dritten kann man in viele Sternensysteme reinfliegen und erlebt dann dort eine Überraschungsmission. Da sind Frachter zu retten oder diplomatische Dispute zu lösen. In die gleiche Richtung gehen auch die Exploration Clusters, wo es zufallsgenerierte kleine Missionen gibt. Man kann sich auch am Strand von Risa fläzen, allerdings fehlt meiner Meinung nach im Moment die Möglichkeit, sich dort statt in Uniform in Badekleidung zu präsentieren. Mal gucken, ob das angesichts der Nackte-Haut-Panik in den USA jemals implementiert wird...

Stichwort diplomatische Dispute. Man vertue sich nicht. In STO geht es vor allem um Kämpfen. Nicht-Kampf-Missionen sind dünn gesät und qualitativ eher mau. Auch ein differenziertes Wirtschaftssystem gibt es derzeit nicht. Damit kommen wir zum ersten Kritikpunkt. Cryptic sollte sich dringend etwas überlegen, wie man für Langzeitmotivation sorgen kann, nachdem man die Story durchgespielt hat. In EVE ist das beispielsweise die Teilnahme am Wirtschaftskreislauf. In STO kann man derzeit keine Steine kloppen und daraus etwas herstellen. Und während ich STO zum Release für Freunde des PvE wirklich empfehlen möchte, sollten PvP-Freunde wohl lieber noch etwas warten. Der ganze PvP ist derzeit nur recht rudimentär und unbalanciert. Auch hier fehlt Langzeitmotivation, weil es keine Raumgebiete gibt, um deren Ressourcen man sich zwecks Ausbeutung der selbigen kloppen könnte.

Per Default wird man mit anderen, unbekannten Spielern aus anderen Instanzen zusammengeschmissen, wenn diese gerade die selbe Mission starten. Insbesondere im Space Combat tut man derzeit jedoch gut daran, dieses Auto Teaming abzuschalten, und zwar aus folgendem Grund: Wenn ein weiterer Spieler dazustößt, wird die Mission automatisch hochskaliert, es gibt dann mehr und dickere Gegner. Wenn jedoch der andere Spieler die Instanz wieder verlässt (weil er vielleicht keine Lust hat) wird die Instanz nicht wieder herunterskaliert. Man kann es dann allein nicht mehr schaffen, die Gegner wegzuputzen und muss von vorne anfangen. Deshalb spiele ich zumindest das Spiel sozusagen als "Massively Singleplayer Online Role Playing Game". Im Bereich Ground Combat bedeutet das, dass man mit KI-gesteuerten Brückenoffiziere auf die Pirsch geht. Diese machen ihre Sache aber so gut, dass man zumindest die Missionen die ich bis jetzt gesehen habe, gut Solo spielen kann.

Was ist sonst noch zu sagen? Das Beta-Schlussevent war ein wenig für die Tonne. Hier zeigten sich deutlich die Grenzen der instanzierten Spielwelt. Die Klingonen-Spieler bekamen Gelegenheit, die Föderation zu invasionieren. Es hätte flankierender Maßnahmen bedurft, zum Beispiel spawnen von zusätzlichen NPC-Klingonen oder eine Variation der Spawnpoints, damit dieser Open PvP funktioniert hätte. So wurde die Sache leider zur Massenvergewaltigung wehrloser Klingonen, denn diese spawnten grundsätzlich einzeln und an immer den gleichen Stellen. Koordiniert vorgehen konnten sie auch nicht, da nur schwer zu steuern war, in welche Instanz man gesteckt wird. Später folgte eine Borg-Invasion. Das war eine um Längen bessere Idee, aber der schale Nachgeschmack blieb.

 Star Trek Online Beta Impressionen

[Kalasha kriegt beim Beta-Schlussevent von den Borg auf die Mütze]

Leider kann STO nicht verleugnen, dass über dem Entwickler das Damoklesschwert eines festgelegten Releasetermins schwebte. Freunde des PvE und entspannte Trekkies können wohl trotzdem bedenkenlos zugreifen, denn die PvE-Storys und Missionen machen bereits jetzt einen Heidenspaß. Für Hardcore-Trekkies, die ein Problem damit haben, dass in diesem Spiel auch Föderationsschiffe Disruptorwaffen tragen können, ist STO aber nichts und wird auch nix werden, weil es eben kein sklavischer Abklatsch des Fernsehuniversums ist, sondern ein Spiel, das Spaß machen will. Ich bin mal gespannt, inwieweit sich Roleplaying im Spiel entwickelt. Die Brücke als wichtigster Ort im Schiff ist zum Release bereits vorhanden. Dort könnte man sich treffen und unabhängig von Spielinhalten irgendwelche Szenarien abhalten. PvPer warten besser noch, bis Cryptic etwas nachlegt. Crafter und ähnliche handwerklich interessierte Menschen sowie Händler sind bei STO vorläufig falsch, weil es nichts zu basteln gibt und der Handel leider nicht sehr tiefgründig ist. Das Spiel wird hoffentlich ein großer Erfolg werden. Selbst wenn es zum Release nicht perfekt ist - das Spiel kann sich dies wohl erlauben, weil es eben das lang erwartete Star Trek MMO und nicht irgendein Gurkenspiel ohne Marke ist. In diesem Sinne, live long and prosper!

Star Trek Online - Best of Bugs

echoray | 27 Januar, 2010 21:06

Die Betaphase von STO ging gestern zu Ende. Ich war seit kurz nach Weihnachten dabei, also noch zu Zeiten der Closed Beta, und durfte miterleben, wie aus einem müffelnden Stück Software ein Spiel wurde, das man meiner Meinung nach mit ruhigem Gewissen auf die zahlende Kundschaft loslassen kann. Der Entwickler Cryptic hat in den letzten Wochen teilweise eine 7-Tage-Woche gefahren, um vor dem Release das Spiel so gut es geht aufzupolieren. Wenn mal was war, konnte man eigentlich sicher sein, dass das Problem mit dem nächsten Patch behoben war. Bei diesem Betatest dabei zu sein, war für mich eine enorm spannende Erfahrung.

An dieser Stelle will ich mal ein paar Bugs vorstellen, die mir als Betatester über den Weg liefen. Über den Spielinhalt selbst werde ich in einem separaten Blogposting nochmal ein paar Worte verlieren.

Star Trek Online Beta Bugs

"Gott sprach, es werde Licht, doch ach, es funktionierte nicht..." In der Closed Beta präsentierte sich der eigene Character im Login-Bildschirm manchmal von seiner dunkelsten Seite.

Star Trek Online Beta Bugs

Das hier ist der Bug schlechthin in der Open Beta - er zeigte sich erst, als die Server mal so richtig unter Last kamen. Durch einen Client-Server-Desync kommt es dazu, dass man als Person im Weltraum spawnt. Manchmal korrigiert sich das innerhalb von Sekunden selbst wieder, manchmal aber auch nicht. In diesem Fall hier habe ich es mal durchgezogen und bin buchstäblich "zu Fuß" zum Planeten Cernan gegangen. Man glaubt gar nicht, wie schnell ein Sternenflotten-Offizier rennen kann, wenn man auf vollen Impuls schaltet und zusätzlich Evasive Maneuvers aktiviert. Muss wohl daran liegen, dass die Luft eher dünn war...

Star Trek Online Beta Bugs

Den Bug gab es auch umgekehrt. Man spawnte als Schiff auf einer Groundmap. Hier sehen wir mein Schiff, die USS Elmendorf, deren Conn-Offizier sie mit offensichtlich viel Schwung bis kurz vor dem Büro des Admirals geparkt hat.

Wenn ihr dereinst nach Deep Space K7 zur PvP-Einführung geschickt werdet, dann grüßt Naomi Wildman von mir. Als Closed-Betatester habe ich Frau Wildman noch in ihrer ganzen Schönheit gesehen: Sie war ein Kerl. Mit Vollbart. Kein sehr anregender Anblick. Die Szene hatte was von Rotkäppchen – "Großmutter, warum hast Du keine Titten?" Diese Sorte Bugs zieht sich vereinzelt noch immer durch das ganze Spiel. Den Vogel schoss bisher der Commander von Starbase 114 ab. In der Dialogbox war er ein Andorianer. Später als 3D-Modell ein Ferengi. Und nochmal etwas später war er ein Klingone. Bei soviel Variabilität, da würde jeder Formwandler neidisch werden...

Star Trek Online Beta Bugs

Dieses hier war auch ganz witzig. Wir sehen das Außenteam mitten in der Botanik vor einer Steinsäule. Das Problem daran: Angekündigt waren keine Säulen mit seltsamen Inschriften, sondern "carnivorous plants who stun their prey with electric discharges and are very dangerous". Okay, man könnte jetzt darüber diskutieren, ob man wirklich Leib und Leben des Außenteams im Kampf mit fleischfressenden Pflanzen riskieren sollte, anstatt sich einfach eine in den Frachtraum zu beamen und versuchsweise einen Klingonen an das Gewächs zu verfüttern. Anyway, die Säulen waren jedenfalls trotz mehrfacher Versuche nicht dazu zu bringen, mich zu verspeisen, was der ganzen Mission doch etwas ihren Reiz nahm...

In der Open Beta entwickelte sich ein regelrechter Kampf mit dem Programm rund um die Rangabzeichen. Bei solchen scheinbaren Kleinigkeiten versteht der gemeine STO-Spieler keinen Spaß. Die Rangabzeichen sind natürlich der Weg schlechthin, um den Noobs auf dem Earth Space Dock auf einen Blick klarzumachen, dass man es bereits zu etwas gebracht hat im Spiel. Leider haute es mehrfach mit den Abzeichen nicht hin. Schon nach der ersten Stunde stellten die frischgebackenen Leutnante fest, dass das Spiel ihnen nur Ensign- oder gar keine Abzeichen zugestehen wollte. Das wurde gefixt, und dann lief es ein paar Tage. Als ich selbst dann soweit war und es zum LCDR gebracht hatte war gerade wieder irgendwas am Kostümsystem kaputt. Ich durfte noch nichtmal meine LT-Abzeichen behalten. Wieder gab es nur Ensign oder garnix. Dieser Zustand hielt Gott sei Dank nur einen Tag an. Parallel dazu gab es in den Foren heftige Diskussionen darüber, ob es richtig sei, den Leuten 120 Energy Credits abzuknöpfen, wenn sie nach einer Beförderung ihre Rangabzeichen ändern wollten. Der beste Beitrag zu dem Thema kam von einem Offizier der US Navy: "Bei uns ist das absolut üblich, dass man sich Rangabzeichen selbst kauft. Man kriegt kaum was an Uniformteilen vom Dienstherrn. Also Füße stillhalten! Jetzt haben wir endlich mal Realismus, was diese Dinge angeht, und dann ist es auch wieder nicht recht...". Hier scheint das letzte Wort noch nicht gesprochen zu sein. Während der Beta gab es Rangabzeichen mal for free, dann wieder nicht und schließlich wieder doch.

Einen hab ich noch, er ist allerdings nicht von mir. Deshalb gibt es leider keinen Screenshot. In einer Mission wird man in einen brennenden Laborkomplex geschickt. Leider versteht die Boden-KI der Brückenoffiziere nichts von Brandbekämpfung, so dass man die Feuerchen selbst löschen muss. Wer dennoch die Feuerlöscher im Inventar der Brückenoffiziere beließ, erlebte einige Missionen später aber eine Überraschung: Mitten in einem verschissenen Sumpf, umzingelt von Gorn-Kriegern, erinnerten sich die KI-Begleiter an ihre Feuerlöscher und kamen auf die verwirrte Idee, diese als Waffe gegen die Gorn einzusetzen. Das führte regelmäßig schnell zu zahlreichen Toten - leider auf Seiten der Sternenflotte.

Star Trek Online - Warmlaufen für den Start

echoray | 01 Januar, 2010 22:17

Wer hat noch gemerkt, dass das ZDF gestern das Berliner Silvesterfeuerwerk mit der Titelmusik aus Star Trek First Contact untermalt hat? Der Grund war nicht, dass man nichts anderes hatte, sondern dass die Königin von England Patrick Stewart, den Darsteller von Jean-Luc Picard vor einigen Tagen in den Ritterstand erhoben hat (allerdings nicht für seine Verdienste um Star Trek, sondern für seine Shakespeare-Engagements). In der für das Silvesterprogramm zuständigen Redaktion des ZDF scheint ein Trekkie zu sitzen, der aufgepasst hat...

Zu Beginn dieses Jahres wird das Online-Rollenspiel "Star Trek Online" an den Start gehen. Ich habe mal meinen alten Blogpost herausgekramt. Im Januar 2007 hatte ich prophezeit, dass der neue Entwickler Cryptic wohl mindestens zwei Jahre brauchen würde, bis man ein fertiges Spiel hätte, nachdem das alte Entwicklungsstudio Perpetual damals in die Insolvenz gegangen war. Das war also ziemlich gut geschätzt von mir - am 29. Januar soll es losgehen mit dem Spiel, zumindest für die Leute, die den Headstart gebucht haben. Seit November läuft Star Trek Online in der Closed Beta. Alle die daran teilnehmen, dürfen nichts sagen, sie unterliegen einem Non-Disclosure-Agreement (NDA). Seit etwa Mitte Dezember lässt Cryptic auch Journalisten ran, wohl unter etwas lockereren Bedingungen. Seitdem dringen mehr Informationen über das Spiel nach draußen. Bis jetzt gab es überwiegend positive Berichterstattung. Das muss nicht unbedingt nur Gutes bedeuten. Auffälligerweise ist Dana Massey von mmorpg.com so ziemlich die einzige Stimme, die sich etwas kritisch äußert. Ausgerechnet Massey, bei dem man sich wundert, dass Cryptic ihn überhaupt reingelassen hat (er arbeitet seit Dezember nicht mehr hauptberuflich für mmorpg.com, sondern als Consultant für einen Rollenspiele-Entwickler, also gewissermaßen für die Konkurrenz). Wahrscheinlich hat er nichts mehr zu verlieren, während die anderen Journalisten sehen müssen, dass sie Cryptic nicht zu sehr verärgern, sonst sind sie bei der nächsten Closed Beta draußen... oder so.

Man sollte sich keine Illusionen machen, dass zum Spielstart ein irgendwie perfektes MMO fertig sein würde. Alle Journalisten schreiben, dass immerhin das Grundkonzept funktioniert. Wie man hört musste Cryptic in der Closed Beta nochmal kräftig an den Ground Combat drangehen. Balancing ist bei allen MMOs eine ewige Baustelle. Auch Jahre nach dem Release wird bei Eve Online noch immer mal wieder an den Werten bestimmter Items gedreht. Das wird bei STO nicht anders sein und wird sich aus der Beta bis nach dem Release durchschleppen. Massey schreibt außerdem, dass das User-Interface von STO noch immer etwas müffelt. Der 12. Januar ist der "Hosen-runter"-Tag für Cryptic. An diesem Tag geht das Spiel in die Open Beta. Dann werden Horden von Spielern, die das Spiel vorbestellt haben, den Server stürmen und überall ihre Meinungen posten. In Sachen Open Beta hat sich Amazon übrigens einen ziemlichen Fuckup geleistet. Schon nach wenigen Tagen gingen ihnen die Open-Beta-Keys aus. Deshalb ist Amazon jetzt der Deppen-Händler, bei dem es keinen Zugang zur Open Beta gibt, während dies bei anderen Händlern noch immer möglich ist. Persönlich kann ich direct2drive.co.uk empfehlen. Auch aus Deutschland kann man dort ordern, wenn man Kreditkarte oder Paypal-Konto hat. Zwei Wochen lang läuft die Open Beta, deren Hauptziel es ist, zu gucken, ob die Server wie gedacht skalieren. Es lohnt übrigens nicht, als Spieler übermäßigen Aufwand in die Open Beta zu stecken, weil für den Spielstart am 29. Januar wieder alles auf Anfang gesetzt wird.

Die Staatsbank dreht durch

echoray | 29 Dezember, 2009 17:18

Kaum sind die Commerzbanker quasi zu 25 % Staatsbanker, breitet sich scheinbar die Bürokratie in dieser Bank aus. Es fing damit an, dass die Coba ab Jahresanfang ungefragt anfing, monatlich Steuerbescheinigungen zu schicken. Früher schickten sie eine einzige Bescheinigung für das ganze Jahr. Man konnte uns nicht sagen, wer das veranlasst hatte, aber die Sache war damals nicht so einfach aus der Welt zu schaffen. "Das kostet Sie aber auch nichts extra, wenn Sie jetzt jeden Monat Post von uns bekommen". Was für eine gequirlte Schafscheiße. Man berechnet mir zwar keine Gebühren für die Briefe, aber trotzdem entstehen ja unnötige Kosten, und irgendwoher muss dafür Geld in die Commerzbank fließen. Anders gesagt kann man die Kröten entweder für unsinnige Briefe rausfeuern, oder man zahlt damit endlich mal die Staatshilfe zurück, oder tut mir als Kunden mal was gutes und zahlt wieder ordentliche Zinsen auf das Tagesgeld.

Jetzt am Jahresende kommt nun plötzlich Post, und alle zwölf Monatssteuerescheinigungen werden zurückgefordert, weil sie angeblich falsch seien. Der Gipfel des Wahnsinns ist allerdings, dass ich für jede einzelne der zwölf Bescheinigungen ein eigenes Formblatt ausfüllen und unterschreiben soll, bevor ich den Krempel (24 Seiten Papier!) eintüte und der Commerzbank schicke. Man sollte diesem komischen Verein mein Briefporto und die Arbeitszeit in Rechnung stellen...

Der Outdoor-DSLAM und das DPBO

echoray | 18 Dezember, 2009 12:31

Heute schärfen wir mal wieder das technologische Profil dieses Blogs. Wir steigen in Details der Signalisierung auf der Digital Subscriber Line (DSL) und der DSL-Technik der Deutschen Telekom ein.

Wenn in einem durch Outdoor-DSLAM versorgten Gebiet auch DSL-Anschlüsse aus der weit entfernten Vermittlungsstelle geschaltet sind, oder sogar Konkurrenzunternehmen auf den längeren Anschlussleitungen operieren, dann muss ein Outdoor-DSLAM auf seinen Anschlüssen im Downstream die Sendeleistung reduzieren, damit er die durch geringen Signal-Rauschabstand gestraften DSL-Leitungen aus der Vermittlungsstelle nicht durch Übersprechen seiner starken Signale stört. Man nennt dies Downstream Power Back Off oder kurz DPBO. Die Bundesnetzagentur setzt die die DPBO-Verwendung auch knallhart durch. Noch im Sommer 2008 mussten in Deutschland ganze Outdoor-DSLAM-Netze abgeschaltet werden, weil die DSLAMs DPBO nicht unterstützten und die Industrie keine neue Firmware liefern konnte.

In der Theorie funktioniert DPBO wie folgt: Es wird rechnerisch ermittelt, welche DMT-Töne an einem aus der Vermittlungsstelle versorgten DSL-Anschluss, der sich genau im Outdoor-DSLAM befindet, noch nutzbar sind. Bis zu dieser Grenzfrequenz werden die DMT-Töne des Downstreams vom DSLAM stark bedämpft, so dass sie während der Synchronisationsphase der Modems nicht oder nur schwach belegt werden. In der Praxis geht es teilweise etwas anders, wie wir nachher anhand eines echten Anschlusses sehen werden.

Das DPBO an den Outdoor-DSLAMs wird von der Telekom aggressiv genutzt, um neue Modems unter das Volk zu jubeln. Ich habe selber erlebt, dass ein Vertriebler sagte "um Ihnen schnelleres DSL zu ermöglichen, hat die Telekom eine Technik [das DPBO] entwickelt. Sie brauchen daher ein neues Modem von der Telekom, weil nur unsere Geräte diese Technik unterstützen". Diese Aussage ist gequirlte Scheiße. Tatsache ist: Da der Outdoor-DSLAM möglicherweise große Teile des ADSL1-Frequenzbereichs wegen DPBO nicht nutzen kann, werden am Outdoor auch DSL 2000 und 6000 in ADSL2 geschaltet. Der Outdoor kann daher mit dem größten Teil des Downstream in den nur von ADSL2 genutzten Frequenzbereich zwischen 1,1 und 2,2 MHz ausweichen. Man braucht also zumindest ein ADSL2 -fähiges Modem. Ich will nicht ausschließen, dass es ADSL2 -Modems gibt, die mit DPBO ums Verrecken nicht klarkommen. Mein von Versatel geliefertes Sphairon AR860E1-B läuft aber jedenfalls am DPBO-DSL6000 ganz prima.

Auslesen des Sphairon AR860E1-B an drei verschiedenen DSL-Anschlüssen.

Das hier war die Situation mit der alten Leitung. Zu sehen ist ein T-DSL1000-Anschluss, versorgt aus einer ca. 4,5 km entfernten Vermittlungsstelle. Der DSLAM ist übrigens eine recht alte Siemens-Bauart. Durch ratenadaptive Schaltung, die ja bei der Telekom vielleicht in 2010 kommen soll, wäre vielleicht noch ein bisschen was zu holen gewesen, aber die Leitung ist insgesamt doch ziemlich am Ende des technisch machbaren. Was man hier auch sieht ist ein Bug in der Firmware des Sphairon-Modems: Die Messdaten zum Upstream werden nicht oder falsch angezeigt.

Auslesen des Sphairon AR860E1-B an drei verschiedenen DSL-Anschlüssen.

Das zweite Bildchen ist eine echte Rarität: Zu sehen ist ein DSL-1000-Anschluss an einem Outdoor-DSLAM. Sowas gibts normal gar nicht. Etwa eine Woche wurde unser Anschluss so betrieben, bevor die Produktänderung auf DSL 6000 in Kraft trat. Die Leitung zum DSLAM ist nur noch ca. 600 Meter lang und messtechnisch für DSL 14000 gut. Hier kommen wir zu einem kleinen schmutzigen Geheimnis von DPBO: Durch die Kastration des ADSL1-Bereichs wird man am Outdoor-DSLAM nie volles DSL 16000 bekommen können, selbst wenn der Anschluss direkt im DSLAM läge. Diese bandbreitenstarken Frequenzen fehlen ganz einfach, so dass wie bei mir nur maximal 12-14000 drinsitzen. Man sieht auf dem Bild bereits das DPBO in Action: Die Modems sind mit dem Downstream vollständig in den ADSL2-Bereich gegangen. Da aber nur DSL 1000 zustande gebracht werden muss, besteht kein Stress, möglichst viele Bits auf einen Träger zu quetschen.

Auslesen des Sphairon AR860E1-B an drei verschiedenen DSL-Anschlüssen.

Jetzt das DSL 6000. Mit Masse liegt der Upstream wieder im ADSL2-Bereich, die Träger sind dort maximal belegt. Zusätzlich wird interessanterweise der untere ADSL1-Bereich schwach belegt. Der DSLAM fährt hier eine DPBO-Strategie, die nicht der reinen Lehre entspricht. Der ADSL1-Bereich hört bei Träger 256 auf. Mein DSLAM steigt aber erst bei Träger 320 wieder voll ein. Nach Lehrbuch würde man sagen, dass in unserem Versorgungsgebiet insbesondere DSL 1000-Kunden, arme 384er Tröpfe und ein paar Glückliche, bei denen DSL 1500 funktioniert, zu schützen sind. Irgendwo bei 176 dürfte der letzte nutzbare Träger liegen. Oberhalb davon könnte der Outdoor volle Power auf das Kabel legen. Stattdessen hält er den oberen Frequenzbereich frei. Das könnte Sinn machen, wenn es im Versorgungsgebiet Kunden mit schnellen DSL-Anschlüssen geben würde. Damit bei denen ihr DSL 6000 funktioniert, wären sie auf die hohen ADSL1-Frequenzen angewiesen. Im niedrigen Bereich wäre der Signal-Rauschabstand wohl noch so gut, dass auch ein dort stark übersprechender Outdoor-DSLAM nicht entscheidend stört. Whatever. Ich nehme das einfach mal verwundert zur Kenntnis.

Zusammen mit dem neuen Anschluss bin ich übrigens auch an einen neuen Broadband Remote Access Server (BRAS) angeschlossen worden. Es meldet sich als Gegenstelle jetzt der "MESC01-10k", also eine 10008 von Cisco. Nach den beiden Juniper-Geräten MESX11-erx und MESX41-erx ist das jetzt der dritte BRAS, an dem mein Anschluss zu hängen kommt. Mal gucken ob die Cisco was taugt. Ich habe da Schauergeschichten bezüglich IPv6 gehört...

Der Chipsatz im DSLAM ist von Broadcom. Nur am Rande sei vermerkt, dass das AR860 irgendwoher eine Reputation hat, an Broadcom-Chipsätzen besonders gut zu funktionieren. Als Outdoor-DSLAM kommt Ericsson EDA zum Einsatz. EDA (steht für Ethernet DSL Access) war einst die Allzweckwaffe der Telekom für Outdoor-DSLAMs und kam in HYTAS-Glasfasergebieten reichlich zum Einsatz, ebenso wie in reinen Kupfergebieten wie es auch das Gewerbegebiet Enste ist. EDA ist für einen DSLAM etwas ungewöhnlich gebaut, da sie stark dezentralisiert werden kann. Die Linecard EDN312x mit 12 Ports ist bereits ein vollständiger DSLAM. Sie bringt genug Intelligenz mit, um die ATM-Strecke selbst zu terminieren und die Daten auf 100 Mbit Ethernet umzusetzen. Das ATM muss nicht wie früher üblich bis zum Konzentrator durchgeschleift werden. Es handelt sich also um einen IP-DSLAM. Da 12 Ports ein wenig wenig sind wird im Outdoor-Gehäuse typischerweise ein Switch ESN108 miteingebaut. Damit kann der Outdoor-DSLAM modular auf bis zu 96 Ports wachsen. Der Switch setzt auf Glasfaser um und versorgt die Linecards auch per Power over Ethernet mit Strom. Meist an einer zentralen Stelle kann ein Ethernet Controller Node (ECN) zum Einsatz kommen. Er bündelt den Datenverkehr der Switches und hat darüber hinaus den Vorteil, dass alle über Switches angeschlossenen Linecards als ein einziger logischer DSLAM erscheinen und zentral verwaltet werden können. Der Witz an der Sache ist, dass ein ECN mehrere Outdoor-DSLAMs, die physisch viele Kilometer entfernt stehen, als ein Gerät verwalten kann.

EDA ist übrigens keine Technik, die jetzt vom Mond käme und an die man nur drankommt, wenn man ein dickes Telekommunikationsunternehmen ist. Die EDN312xi habe ich für ca. 600 € in einigen Onlineshops gesehen. Der ECN kommt für etwa 2000 €. Man sieht also deutlich, das Teuere an einem Outdoor-Ausbau ist nicht die Hardware, sondern die Baukosten. Aber wer außer irgendwelchen Telefonfirmen braucht DSLAMs? Ich war da überrascht. Es sind vor allem Hotelbetriebe. Die ollen Pfennigfuchser wollen ihren Gästen schnelles Internet auf dem Zimmer anbieten, haben aber kein Geld für die Installation von Ethernetkabeln. Manchmal spricht wohl auch der Denkmalschutz dagegen, die Wände aufzustemmen. Also nimmt man die vorhandenen Telefonkabel, klemmt eine EDA daran, am anderen Ende ein DSL-Modem, und fertig ist die Laube.

Das klingt alles erstmal prima. Die Telekom ist wie man hört trotzdem nicht ganz zufrieden mit der Ericsson-Technik. Man weiß derzeit nicht, ob zumindest die EDA-Geräte der 1. Generation, zu denen die EDN312x gehört, ein technologischer Irrweg sind. Ericsson tut sich schwer, das u.a. von der Telekom für ihre heilige Kuh "Triple Play" geforderte Access Node Control Protocol (ANCP) zu unterstützen. ANCP ist ein Steuerungsprotokoll für DSLAMs. Die T-Com sieht es als Voraussetzung für ihr T-Home Entertain an. Weil ANCP derzeit auf der EDA nicht geht, gibt es am Outdoor-DSLAM kein Entertain. Ich persönlich kann das verschmerzen. Ich halte nicht die EDA, sondern Triple-Play für einen technologischen Irrweg. Ich will nur schnelles Internet und sonst gar nichts. Kein VoIP und kein IPTV. Man wird sehen, ob Ericsson in Sachen ANCP das runde Schwein durch ein eckiges Loch fädeln kann. Im schlimmsten Fall müsste die EDA-Technik eben eingestampft und ersetzt werden.

 

Geheime Umklemmaktion

echoray | 17 Dezember, 2009 18:05

Das DSL der Deutschen Telekom im Gewerbegebiet Meschede-Enste und ich - eine unendliche Geschichte. Jetzt mit vorläufigem Schlusspunkt. Mir ist es endlich gelungen, den Rosa Riesen dazu zu bewegen, unseren DSL-Anschluss vom Hauptverteiler auf den Outdoor-DSLAM umzuklemmen und DSL 6000 zu schalten.

Soweit zu kommen war ein ziemlicher Krampf. Das Gehäuse des Outdoor-DSLAM steht inzwischen drei Jahre. Seitdem war ich mal mehr, mal weniger dahinterher, schnelleres DSL zu kriegen. Ab wann der Multiplexer wirklich in Betrieb war vermag ich nicht zu sagen. Vor anderthalb Jahren wechselte ich den DSL-Anschluss vom Telekom-Reseller 1&1 zurück zur T-Com, in der Hoffnung, dass ich am Outdoor angeschlossen würde. Stattdessen gab es wieder nur einen DSL1000-Anschluss, versorgt aus der 4 km entfernten Feldstraße. Ich hatte den Techniker damals gefragt, warum ich nicht am Outdoor hänge. Das wäre halt nicht so beauftragt gewesen. Wahrscheinlich hätte ich den falschen Bestellweg gewählt. Bei der Hotline wüssten sie halt nichts vom Outdoor-DSLAM. Man hätte den Anschluss im T-Punkt ordern müssen. Dort hätten sie Bescheid gewusst und den Auftrag in einen besonderen Kanal geleitet. Sagte man mir zumindest. In der Folgezeit bin ich dreimal im T-Punkt gewesen, um den Anschluss nachträglich umklemmen zu lassen. Dreimal sagte man mir zu, die Sache an einen Techniker weiterzugeben, der sich dann melden würde. Ein T-Punktler lehnte sich sogar soweit aus dem Fensterund behauptete optimistisch "das krieg ich hin". Bei allen drei Versuchen passierte aber anschließend genau gar nichts, und niemand meldete sich.

Ich war in der perversen Situation, dass an unserem zweiten Telefonanschluss DSL16000 bestellbar war, aber auf dem mit DSL beschalteten Anschluss, der direkt daneben aus der Wand kommt, angeblich nur DSL1000 gehen sollte. Ich hätte also aufwändige Bäumchen-Wechsel-Dich-Spiele treiben müssen, also schnelles DSL auf den zweiten Anschluss schalten und den alten Anschluss danach kündigen oder so. Alternativ hätte ich auch zu Unitymedia gehen können. Dieser Laden hatte weniger Probleme damit, mir schnelles Internet zu schalten.

Irgendwann begann ich zu verstehen, dass ich wohl ein Opfer der ORKA-Datenbank geworden war: Als der Outdoor-DSLAM gebaut wurde, wurde mindestens für alle unbeschalteten Telefonanschlüsse vermerkt, dass DSL16000 verfügbar ist. Unser Bestandsanschluss, damals noch an 1&1 untervermietet, fiel irgendwie unter den Tisch. Das wurde später auch nicht mehr korrigiert.

Im Dezember 2009 trat dann die Situation ein, dass im kundencenter.telekom.de jetzt auch für den Altanschluss DSL16000 bestellbar war. Aber schon einen Tag später rief mich ein Telekomiker an, er könne DSL6000 trotzdem nicht buchen. Also war immer noch die Karteileiche im ORKA... Er gab mir den Tipp, es mal bei der Störungsstelle zu versuchen. Das habe ich dann auch gemacht. Mein Umklemmwunsch war so speziell, dass er sofort zum Second-Level-Support eskaliert wurde. Der Mann dort verstand, was ich wollte und versprach, sich darum bis Mitte der Woche zu kümmern. Ich war in dem Moment nicht besonders optimistisch, weil dasselbe hatten auch schon drei Peoples im T-Punkt gesagt.

Meine Laune stieg, als schon am nächsten Tag der Fernmeldebaubezirk Meschede am Telefon war. Man würde nächste Woche das DSL erhöhen. Das würde noch schriftlich kommen und am Tag X würde man nochmal angerufen werden. Na also, geht doch...

Unerwarteterweise war wenige Stunden später die DSL-Leitung tot. Das gute alte Teledat 300 LAN wurde nicht mehr grün. Meine Vermutung, dass die Telekom schneller war als gedacht, bestätigte sich: Mein ADSL2 -fähiges Modem Sphairon AR860E1-B synchronisierte sofort. Heimlich still und leise hatte also ein Techniker eine wesentliche Vorarbeit erbracht und den Anschluss an den Outdoor-DSLAM umgeklemmt. Auslesen des Modems bestätigte, dass auf der Leitung von einem Ericsson-DSLAM ADSL2 und darüber hinaus Downstream Power Back Off gefahren wurde. Deshalb funktionierte das alte Modem nicht mehr, weil es beides nicht unterstützte.

Es wurde der 16.12.09, der Tag der Umschaltung, aber anders als versprochen meldete sich niemand von der Telekom bei mir. Es wurde der 17.12.09. Wieder nichts, der Auftragsstatus änderte sich auch nicht. Ich ahnte aber schon, was hier gespielt wurde und ließ das Modem mal neu synchronisieren. Es kam mit einer eindeutigen DSL 6000 Strecke wieder hoch. Die Änderung von DSL 1000 auf 6000 war also vom Schreibtisch aus am Computer vollzogen worden, und war nach dem physischen Umklemmen eine reine Formalität.

Zusammenfassend möchte ich Leuten, die wie ich einen DSL-Anschluss im Altbestand haben und bei Ausbauten nicht automatisch durch Umklemmen berücksichtigt werden, einen Tipp geben: Gebt die Sache über die Störungsstelle der Telekom in Auftrag! Die Leute dort haben einen für die Lösung des Problems unschätzbaren Vorteil: Sie müssen den Vorgang möglichst schnell als "erledigt" markieren und zu einem Ende führen. Der T-Punkt-Mitarbeiter druckt sich die Sache zwar aus, aber man hat keine Garantie, dass er in einer ruhigen Minute auch wirklich die Sache an den Baubezirk weitergibt - stattdessen versackt der Vorgang womöglich tief unten in einem Haufen lästiger Arbeit, der irgendwann in "Ablage P" landet.

 

Ambitionierte Ziele

echoray | 14 Dezember, 2009 19:23

Heute mit einem Unternehmen zu tun gehabt, das zwei Unternehmensziele verfolgt, die einen Betriebswirt aufmerken lassen: "Bis Ende 2009 wachsen wir auf 60 Mitarbeiter, in 2010 auf 100 Mitarbeiter".

Aus Sicht des strategischen Managements würde man diese Zielsetzung zumindest "bedenklich" nennen. Mein Professor für Personalwesen hätte wohl gesagt "das muss ein sehr soziales Unternehmen sein". Leute einstellen und Geld verbrennen ist jedenfalls nicht weiter schwierig. Diesen Leuten aber Arbeit zu geben, und damit das Unternehmen zum Erfolg zu führen, das ist schon eher ein Problem. Deshalb trifft man in freier Wildbahn das Unternehmensziel "Personal einstellen" so gut wie nicht an. Gut, wenn es sich um eine Zeitarbeitsfirma oder eine Auffanggesellschaft handelt, da mag das sogar Sinn machen. Andere Firmen formulieren eher Ziele wie "Umsatz um 10 % steigern", "Reklamationsquote um 20 % senken" oder "liquide bleiben" (wenn es mal nicht so gut läuft).

Auf der Suche nach dem Endverzweiger

echoray | 06 November, 2009 20:03

Anruf einer Mieterin: Bei ihr wäre ein Techniker einer Telefongesellschaft. Der finde den Hausanschlusspunkt nicht. Ich habe zwar auch keine Ahnung, fahre aber mal raus zu dem Haus um zu helfen wo ich kann. Ich treffe die gestresste Mieterin und einen ebenso gestressten Techniker von Vodafone an. Er hat eine Vorgabezeit von 15 Minuten für das Schalten eines Anschlusses, hat jetzt schon 25 Minuten vertrödelt und müsste eigentlich weiter nach Kallenhardt. Wir finden zwar Telefonkabel, diese laufen scheinbar in Richtung der Eisdiele im Souterrain, aber den gesuchten Endverzweiger finden wir nicht. Die Eisdiele hat unglücklicherweise auch noch geschlossen. Wir müssen den Vodafone-Techniker wieder wegschicken, was für die arme Mieterin wohl weitere zwei Wochen Wartezeit und einen (kostenpflichtigen?) neuen Einsatz des Vodafone-Service bedeutet.

Wieder zu Hause rufe ich als erstes den Eisdielenbesitzer an. Der schwört Stein und Bein, dass die Monopoldose nicht in seinem Eiscafe liegt. Außerdem hätte er vor drei Jahren vergeblich nach dem EVz gesucht und sein Bauvorhaben wieder abgeblasen, als er ihn nicht fand.

Da ich schon in etwa weiß, wie die Telekom arbeitet, weiß ich auch, wie ich mir jetzt helfen kann: Bis zum EVz sind die Telefonleitungen von der Telekom kartografiert. Zuständig ist das Bauherrenbüro am Standort Meschede. Ich gehe zum T-Punkt und lasse mir die Telefonnummer geben. Aber keiner geht ran. Ich probiere die Nummer der Zentrale am Fernmeldeamt Meschede. Zu meiner Überraschung lande ich in einem Callcenter in Sachsen-Anhalt. Wieso zur Hölle läuft die Hauptdurchwahl der Telekom in Meschede in Sachsen-Anhalt auf? Dort kann man mir nicht weiterhelfen. Früher konnte man bei der Telekom-Hotline anrufen und einen DSL-Anschluss bestellen, und die Mitarbeiterin am anderen Ende wusste sogar, wo ich wohne. Das funktionierte nur, weil Anrufe aus Meschede auch in Meschede aufschlugen.

Auf gut Glück besuche ich das Telekom-Hauptquartier an der Feldstraße, und will mal hören, ob das Bauherrenbüro tatsächlich dort sitzt und wann die Jungs mal ans Telefon gehen. Der Mann am Empfang ist sehr freundlich und weiß auch gleich, wer zuständig für mein Problem ist. Nach Klärung einiger amüsanter Fragen ("geht es um einen Neubau?") druckt man mir den Lageplan aus, der meinen EVz verzeichnet.
Das altehrwürdige Fernmeldeamt Meschede hat seine glanzvollen Zeiten wohl hinter sich. Der überwiegende Teil des Gebäudes wird heute noch als Callcenter genutzt. Gerade letztens hat man noch einmal verhindern können, dass der Standort komplett dichtgemacht wird. Die spannendsten Abteilungen sind aber wohl inzwischen an andere Standorte verlagert worden, insbesondere nach Dortmund. Noch im Jahr 2003 kam Meschede in die Schlagzeilen, als www.telekom.de mehrere Stunden offline war, weil in Meschede ein Router ausgefallen war.

Rein optisch müsste der EVz tatsächlich im Eiscafe liegen. So ein Plan sagt aber wenig darüber aus, in welchem Stockwerk der Anschluss liegt. Am Ende findet er sich in einem "Keller" der Zahnarztpraxis über dem Eiscafe. Er sieht sehr alt aus - und sehr groß. Ich habe noch nie einen so großen Endverzweiger gesehen. Das muss daran liegen, dass vor vielen Jahren mal eine Sparkasse in dem Gebäude ansässig war, die bestimmt viele Telefonanschlüsse hatte. Die Variante, den EVz mitten ins Gebäude zu pflanzen, ist heute unüblich. Um sich teure Suchaktionen zu ersparen, wie sie meine Mieterin erlebt hat, baut man den EVz heute im allgemeinen an die Außenwand des Hauses.

Flotte Sprüche vom Meister selbst

echoray | 03 November, 2009 13:25

Auch nachdem wir mit Arnsberg-Sundern fusioniert wurden hat die "neue" Volksbank Sauerland die gute Tradition des Mescheder Zweigs beibehalten und lädt einmal im Jahr ihre Kunden zum "Dialog". Da hält dann ein meist hochkarätiger Referent einen Vortrag, und anschließend gibt es Häppchen und Getränke. Peter Hahne und Ulrich Wickert fanden so zum Beispiel in der Vergangenheit den Weg nach Meschede. Für dieses Jahr hat sich die Volksbank Frank Lehmann eingekauft, bekannt aus dem Börsenfernsehen der ARD.

Frank Lehmann legte wie ein D-Zug los und begann alsbald, den Volksbankdirektor Dörner immer wieder zu foppen - sehr zur Freude des Publikums ("was zahlt der Dörner Ihnen denn fürs Sparbuch? 0,8 Prozent?"). Er redete gut zwei Stunden über das, was man von ihm erwartet - Wirtschaft, Börse und Geldanlage. Letztlich war es eine Werbeveranstaltung, sich doch mal wieder mehr an der Börse zu engagieren. Leider war allerdings der Referent besser als sein Vortrag. Es war zwar eine Freude, dem Mann zuzuhören, wie er immer wieder Sprüche riss, aber immer wieder eine Grafik und noch ein Chart, die mal dies und mal das zeigen sollten - das war zuviel des guten. Weniger ist mehr, Herr Lehmann! Die Volksbank hat den Mann übrigens gleich für zwei Tage gebucht. Er erzählt die gleichen Sachen heute nochmal in Arnsberg.

Das Buffet war dieses Jahr leider eine Enttäuschung. Es wurde von einer Bäckerei zugeliefert, und bestand daher trotz verschiedener Füllungen überwiegend aus trockenen Hörnchen. Das Buffet im letzten Jahr (von einer Fleischerei) war jedenfalls besser, weil viel saftiger.

Zum Abschied ein Arschtritt

echoray | 14 Oktober, 2009 19:05

Seit gut vier Wochen bin ich kein Student mehr. Mit dem Kolloquium zu meiner Bachelorarbeit "Analyse rechtlicher Rahmenbedingungen des europäischen Strommarkts" ging die dreijährige Ausbildung zu Ende. Ich bin jetzt "Bachelor of Arts in Betriebswirtschaft" (ein fürchterliches Gemisch aus Englisch und Deutsch, dieser Titel...). Nach der Exmatrikulation zeigte sich meine nun ehemalige Hochschule leider noch einmal von ihrer besten Seite: Die FH Dortmund hat die 3,50 Euro nicht, die es kostet, mir mein Abschlusszeugnis per Einschreiben zuzusenden. Ich musste 3,50 € in Briefmarken schicken, um an mein Zeugnis zu kommen. Das war eine Komplikation, mit der ich nicht gerechnet hatte. Okay, ich hätte mir mein Zeugnis persönlich in Dortmund abholen können. Das wäre aber auch nicht billiger gewesen. Irgendwie hatte ich erwartet, dass man sich den Absolventen gegenüber etwas spendabler zeigt. Erst Recht in Zeiten von Studiengebühren...

Ausbildungssimulator der Deutschen Bahn AG in Hamburg

echoray | 30 August, 2009 17:12

Um Lokführer aus- und fortzubilden betreibt DB Training an verschiedenen Standorten in Deutschland Lokfahrsimulatoren. Diese Geräte sind Flugsimulatoren nicht unähnlich, und daher finden sich im Herstellerkonsortium Namen wie DASA und Dornier (heute EADS), die Erfahrung im Flugsimulatorbau mitbringen. Ein solcher Simulator kostet mit 2,5 Mio. Euro genausoviel wie ein Exemplar der echten Lok. Die Kostenvorteile liegen also nicht in den Anschaffungskosten, sondern in den Betriebskosten. Man muss weniger der knappen Fahrplantrassen für Ausbildungsfahrten belegen, und man kann gezielt bestimmte Situationen üben.

In Hamburg steht ein Simulator für Loks der Baureihen 101, 145 und 152. Diese haben identische Führerstände. Die technischen Unterschiede können somit in Software nachgebildet werden. Das Simulatorzentrum befindet sich in fußläufiger Entfernung vom Hauptbahnhof auf dem Gelände des alten Betriebswerks Hamburg 3, das heute nur noch als Tank- und Abstellanlage genutzt wird.

DB Training Simulator 101/145/152, Hamburg, 29.8.09

Der Simulator enthält einen Führerstand der 101/145/152 in Originalgröße. Da die Lichtverhältnisse im Simulator auch bei eingeschalteter Führerstandsbeleuchtung recht bescheiden waren, nehme ich mal ein Bild mit dem Führerstand der echten Lok von Wikimedia Commons zur Illustration (http://commons.wikimedia.org/wiki/Image:F%C3%BChrerstand_BR_101.jpg):

 Quelle: http://commons.wikimedia.org/wiki/Image:F%C3%BChrerstand_BR_101.jpg

Eine zusätzliche Computerkonsole bildet den Maschinenraum ab. Somit kann auch die Störungsbehebung trainiert werden. Der Simulator ist auf Hydraulikzylindern montiert und verfügt über ein Bewegungssystem, welches die typischen Bewegungen einer Lokomotive fühlbar macht (hier hat sich die Bahn nicht lumpen lassen - der Ausbildungszweck wäre sicherlich auch ohne teures Bewegungssystem erreichbar). Da wir allerdings mit vier Leuten in dem Simulator rumsprangen, konnten wir das Bewegungssystem auf Grund von Gewichtsbeschränkungen leider nicht voll ausreizen.

Jeder Lokführer einer DB-Konzerngesellschaft muss inzwischen einmal jährlich auf den Simulator, wo dann geprüft wird, ob er in sicherheitsrelevanten Situationen richtig reagiert. Diese Termine sind bei den meisten Lokführern außerordentlich unbeliebt, denn im Simulator kreist der Hammer. Wer hier durchfällt (jedes Jahr etwa 5 %) hat mindestens ein unangenehmes Gespräch mit dem Vorgesetzten zu erwarten, meistens Nachschulungen oder im Extremfall auch den Verlust des Eisenbahnfahrzeugführerscheins.

Ganz überwiegend sind die Simulatoren durch DB-Lokführer belegt. DB Training wird allerdings als Profit-Center geführt und verkauft auch an Privatbahnen Simulatorausbildung. Insbesondere die Simulatoren in Fulda werden aber auch als Touristenattraktion vermarktet. Nach einem Crashkurs in Signalkunde darf hier die interessierte Öffentlichkeit für 20 oder 60 Minuten fahren. Gestern fand eine solche Veranstaltung am Standort Hamburg statt.

Die Ausbildung zum Lokführer dauert in der Variante "Funktionsausbildung" mindestens 9 Monate. Von einem einstündigen Crashkurs darf man daher keine Wunder erwarten. Viele Leute bringen natürlich ein recht ansehnliches Vorwissen mit. Trotzdem hätte man den Simulator so konfigurieren können, dass keiner von uns die Lok mehr zur Mitarbeit überreden könnte. Gestern sollte aber natürlich der Fahrspaß im Vordergrund stehen. Dennoch wurde im Laufe des Tages der Simulator bis fast ins Letzte ausgereizt. Das Bild unten zeigt den Arbeitsplatz, an dem der Simulator vom Prüfer konfiguriert wird.

DB Training Simulator 101/145/152, Hamburg, 29.8.09

Auf der Strecke von München nach Stuttgart war gestern die Hölle los. Lokführers Albtraum. Vielleicht haben es die Instruktoren auch manchmal etwas übertrieben mit den betrieblichen Besonderheiten, Störfällen und diktierten Befehlen. Kühe und Autos im Gleis, Äste in der Oberleitung, Störungen am Triebfahrzeug, alle denkbaren Varianten von Zusatz- und Ersatzsignalen, Fahrten im Gegengleis etc. pp. Wir haben sogar mit dem Simulator rangiert. Das einzige was wir nicht eingespielt haben war meines Wissens eine schnöde Baustelle. Die beiden Instruktoren - einer war immer im Führerstand, der andere steuerte von draußen die Simulation - waren beide kein Kind von Traurigkeit und begannen alsbald, sich gegenseitig zu foppen, indem Situationen der Kategorie "mal gucken, ob sie's merken" eingespielt wurden. Beim Rangieren blieb ganz plötzlich das 10-sekündliche Kontrollsprechen des Rangierbegleiters aus, dafür tauchte plötzlich ein Männchen auf, welches das Kreissignal (sofort anhalten) gab. Da befand sich der Ast plötzlich nicht mehr in der Fahrleitung des Gegengleises, sondern tauchte im eigenen Fahrweg auf. Sowas hat keinen Ausbildungswert. Bei einem Ast in der Größe, wie ihn der Simulator darstellte, schafft man es bei Tempo 160 nicht mehr, den Stromabnehmer rechtzeitig zu senken um eine Beschädigung zu verhindern. Gegenstände im Gleisbereich sind überhaupt ein sensibles Thema. Theoretisch kann der Simulator auch Kinder im Gleis darstellen. Dies wird aber nicht genutzt. Ziel ist nicht, die Reaktionsgeschwindigkeit zu testen, sondern ob der Lokführer einen korrekten Notruf absetzt. Daher tauchen Hindernisse eigentlich immer nur im Gegengleis auf, doch selbst dabei kann es passieren, dass der Lokführer im Simulator einen Schock erleidet, weil plötzlich Erinnerungen an einen früheren Unfall wachgerufen werden.

DB Training Simulator 101/145/152, Hamburg, 29.8.09

DB Training Simulator 101/145/152, Hamburg, 29.8.09

Hier sieht man, wie die grafische Darstellung im Simulator ausschaut. Zu sehen ist das Stellwerk von Geislingen. Die Grafikqualität dürfte im Jahr 1998 durchaus konkurrenzfähig gewesen sein.

Nicht-Lokführer dürften mit dem Simulator dem Gefühl, eine echte Lokomotive zu steuern, am nächsten kommen. Der originale Führerstand ist hierbei ein wichtiger Faktor. Die Sache ist allerdings nichts für Leute, die sich davor ekeln, den schweißgetränkten Fahrschalter anzufassen, den vorher schon eine ganze Generation Lokführer mit Prüfungsangst in der Hand hatte.

Man vergleicht Äpfel mit Birnen, wenn man Vergleiche zu Simulationen für den PC wie zum Beispiel Zusi zieht. Im Vergleich zu letzterem ist das Angebot an Strecken für den DB-Simulator sehr beschränkt. München-Stuttgart wurde umgesetzt, ebenso ein Stück von Fulda-Würzburg. Dann gibt es noch drei fiktive Strecken. Das war's dann. Das Fahrverhalten der Zusi-101 ist  anders als das der Simulator-Lok. Vielleicht war es aber auch nur die Umstellung vom Computerbildschirm auf echte Instrumente. Ich selbst bin gestern im Simulator von Neu-Ulm mit einem 7-Wagen-Intercity über Ulm Richtung Stuttgart gefahren. Eigentlich hatte ich mir vorgenommen, in Ulm betont schwungvoll einzufahren, was in Zusi in jedwedem Bahnhof bei mir ganz gut klappt. Im Simulator verreckte mir die Fuhre aber schon ein ganzes Stück vor dem Bahnsteigende. Zusi ist gegenüber dem Simulator, wie soll man sagen, deterministischer. Wenn ich in Zusi PZB Wachsam drücke, kann ich sicher sein, dass er die Beeinflussung auch angenommen hat. Wenn man einmal im Simulator gesessen hat versteht man schlagartig, warum manche Lokführer diese Taste gewohnheitsmäßig zweimal betätigen - das erste Mal wurde bei mir häufig nicht angenommen. Da ich bereits wusste, wie ich schalten und fahren musste, nutzte ich meine Fahrzeit auch zum Herumspielen mit dem Diagnosedisplay und der AFB. Zu meinem Leidwesen kam ich im Eifer des Gefechts nicht mehr dazu, auch mal die Seitenabfahreinrichtung zu benutzen, und in meiner Schicht meldete sich auch niemand bei mir über den Zugfunk. In Zusi ist die Automatische Fahr-Bremssteuerung (AFB, der Tempomat der modernen Lokomotiven) bequem in 5-km/h-Schritten einstellbar. Wenn ich 110 km/h einstelle, dann fährt Zusi auch genau 110 Sachen. Die echte AFB funktioniert anders: Mir fehlt zwar die nötige Routine, aber ich empfand das stufenlose Einstellen der Geschwindigkeit als elendes Gefummel. Einmal zu heftig bewegt, und schon ist die rote Nadel sonstwo. Der ganze Regelkreis ist erheblich träger eingestellt als in Zusi, die Sollgeschwindigkeit wurde von der Lokomotive ewig nicht erreicht.

DB Training Simulator 101/145/152, Hamburg, 29.8.09

 

 

 

Jetzt auch ohne Viren

echoray | 15 August, 2009 20:52

"Diese Software wird entsprechend dem aktuellen Stand der Technik ohne Viren hergestellt und ausgeliefert".

Diese amüsante Botschaft legte die Firma Bizer aus Balingen (also known as Bizerba GmbH & Co. KG) ihrem Bizerba Label Designer bei. Der Autor dieser Zeilen fragt sich: Muss das sein? Bizerba, seid Ihr euch wirklich ganz sicher, dass Eure Software ohne Viren ist? Auf diesem hohen Ross sind schon Hersteller von MP3-Playern und Festplatten geritten und schmerzhaft zu Fall gekommen, als finstere Mächte die Produktion unterwanderten und Rootkits in die Software-Images einpflanzten. Beantwortet Bizerbas Beipackzettel mehr Fragen als er neue aufwirft? Aber danke, dass Ihr mir Software ohne Viren liefert...

Gleisumbau der Oberen Ruhrtalbahn im Juli 2009

echoray | 01 August, 2009 21:45

Im Juli hat man die Eisenbahn zwischen Meschede und Arnsberg komplett gesperrt, um die Gleise erneuern zu können. Es gab drei Bauabschnitte: Meschede-Wennemen, Arnsberg-Oeventrop und die Ruhrbrücke bei Freienohl, die endlich an ihren richtigen Platz geschoben wurde, so dass in diesem Abschnitt wieder zweigleisig gefahren werden kann.

Die ausführenden Baufirmen J. Hubert und Leonhard Weiss hatten sich am Bahnhof Wennemen ihr Hauptquartier eingerichtet. Auf den brach liegenden Bahnflächen wurde eine provisorische Schotterverladung eingerichtet. Neue Schwellen wurden aus Arnsberg bereitgestellt. Während zwischen Meschede und Wennemen im Schnellumbauverfahren gearbeitet wurde, war der Untergrund zwischen Arnsberg und Oeventrop stellenweise wohl so schlecht, dass abschnittsweise komplett neu gebaut wurde.

 

Gleisumbau Obere Ruhrtalbahn, Juli 2009, bei Meschede

Hier sieht man einen Bettungsreinigungszug der Firma Hubert bei Meschede-Enste. Diese Maschine hebt das Gleis leicht an, und unter den Schwellen läuft eine Räumkette durch, die den Schotter zur Seite und in die Maschine hineintransportiert. Dort wird er durchgesiebt. Nur die großen Brocken werden wieder ins Gleisbett verfüllt. Das Kleinzeug will man nicht haben, weil es den Wasserablauf behindert und das Gleis sich stärker bewegen kann, wenn zu viele kleine Kiesel und organische Verrottungsprodukte im Schotterbett sind.

Gleisumbau Obere Ruhrtalbahn, Juli 2009, bei Meschede

Was hier aussieht wie eine Maschine sind in Wirklichkeit gleich zwei, die auf unterschiedlichen Gleisen fahren. Rechts sieht man eine Stopfmaschine. Diese prokelt zwischen den Schwellen herum, stellt so die gewünschte Gleislage her und festigt diese. Links ist gerade ein Schotterpflug unterwegs. Diese Maschine formt eine schöne Bettung.

Gleisumbau Obere Ruhrtalbahn, Juli 2009, bei Meschede

Dies ist der Gleisumbauzug UM3 der Firma Weiss, allerdings in der Minimalbesetzung und bei einer Arbeitspause. Dieser Zug fährt vorne noch auf dem alten Gleis und hinten auf dem neuen. In der Mitte wird das alte Gleis hochgenommen, neue Schwellen verlegt und neue Schienen darauf geschraubt.

Gleisumbau Obere Ruhrtalbahn, Juli 2009, bei Meschede

Welche Funktion dieser Zweiwegebagger hatte, habe ich nicht abschließend klären können. Wahrscheinlich war er dabei, die Altschienen in handliche Teile zu zersägen.

Gleisumbau Obere Ruhrtalbahn, Juli 2009, bei Meschede

Während das Richtungsgleis Meschede-Wennemen schon den Schotterpflug gesehen hat, ist im Gleis Wennemen-Meschede noch "Land unter". Die Gleise sind bereits befahrbar, allerdings noch provisorisch verlascht. Hier fotografiert am Wasserwerk Stockhausen, dessen neuer Anbau jüngst von Schülern des Bergklosters Bestwig mit Motiven "von der Quelle bis zur Mündung" verschönert wurde.

Gleisumbau Obere Ruhrtalbahn, Juli 2009, bei Meschede

Schienenverlaschung. Kurze Zeit später kam die Firma Spitzke zum Schweißen.

Späte Rache - Daumen hoch!

echoray | 16 Juli, 2009 11:27

Der Spielfilm von Sat.1 gestern Abend war wirklich gut. Ex-"Balko" Jochen Horst gibt in "Späte Rache" einen Familienvater, den seine Vergangenheit als BKA-Zielfahnder wieder einholt. Ein Drogenboss, den er hinter Gitter brachte, kommt aus dem Gefängnis frei und sinnt auf Rache an dem Zielfahnder und dessen Familie.

In diesem Film wird schön herausgearbeitet, warum der Oberbösewicht so böse ist. Er hat wirklich gute Gründe dafür. 10 Jahre Knast haben ihm sein Leben zerstört. Die Verhaftung war ungesetzlich, denn er wurde vom BKA im Ausland entführt und danach auf deutschem Boden verhaftet. Die Schwarzen in diesem Film sind nicht völlig schwarz, und die Weißen haben keine völlig weiße Weste. Das ist der Stoff, aus dem gute Stories gemacht werden. Im Verlauf des Films kommt es zu einer aufgeregten Diskussion über das Für und Wider der Legalisierung harter Drogen, bei dem die Vertreterin der "westlichen Welt" nicht gut aussieht. Gut gemacht. Nur als ziemlich am Ende noch ein weiterer Grund gebraucht wird, warum der Drogenboss den Knast verdient hatte, fängt der Film sich einen kleinen Minuspunkt ein. "Er hat mal versehentlich einen Kindergarten in die Luft gesprengt". Das ist flach. Ansonsten ist der Streifen eine runde Sache, wie sie dem deutschen Privatfernsehen nicht oft gelingt.

In Bochum laufen die Dinge anders

echoray | 07 Juli, 2009 15:21

Um den Literaturhorizont meiner Bachelorarbeit zu erweitern würde ich gerne auf Bücher der rechtswissenschaftlichen Bibliothek der Ruhr-Uni Bochum zurückgreifen. Auf der Homepage der UB las sich die Anmeldung für Externe recht einfach: Man geht zur Servicetheke der Zentralbibliothek, legitimiert sich mit dem Personalausweis und bekommt einen Benutzerausweis. Soweit, so theoretisch.

In der Praxis bin ich vorläufig an der Mitarbeiterin an der Servicetheke gescheitert. Als ich ihr mein Anliegen vortrug meinte diese, ich sollte doch erstmal ein Buch anbringen, das ich ausleihen wollte. Dann würde man sich um den Papierkram kümmern. Also betonte ich noch einmal, dass ich gerne erst den Ausweis hätte und danach nach Büchern suchen wollen würde. Aber keine Chance. Da war plötzlich Polen offen, denn diesen Fall sah mein Plan nicht vor. Ich überlegte, ob ich mir das erstbeste Buch aus der Zentralbibliothek greifen sollte, um es auszuleihen und so an meinen Ausweis zu kommen. Die Steigerung dieser Aktion wäre gewesen, das Buch 20 Sekunden später wieder zurückzugeben, um der Mitarbeiterin zu zeigen, was für eine verwirrte Idee ihre Auslegung der Anmeldeformalitäten war. Die Bücher der Zentralbibliothek sind mir ehrlich gesagt scheißegal. Mich interessiert die juristische Bereichsbibliothek. Ich mache jede Wette, dass man mir dort keinen Ausweis ausstellen kann. Also wozu um alles in der Welt muss ich erst in der Zentralbibliothek ein Buch auf den Tresen legen? Das ist mir absolut unbegreiflich und womöglich nur dadurch erklärbar, dass die fragliche Mitarbeiterin keinen Bock auf vermeidbaren Papierkram zur Mittagszeit hatte.

Was die Kollegin sich da ausgedacht hat steht nicht nur im Widerspruch zur auf der UB-Homepage nachlesbaren Anmeldeprozedur, es ist darüber hinaus auch noch kundenunfreundlich und steht gegen die Bibliotheksbenutzungsordnung: Ohne Benutzerausweis darf ich nämlich bei strenger Auslegung der Benutzungsordnung in die Bibliothek gar nicht rein.Die UB Bochum hat eine e-Mail-Adresse für Anregungen und Kritik. Dort habe ich mein Erlebnis geschildert. Mal gucken, was kommt...

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