Echowelle

Es kann nur besser werden???

Gut gegen Nordwind

echoray | 06 November, 2011 13:12

"Schreiben ist wie Küssen mit dem Kopf"

Gestern haben sich zwei recht namhafte Schauspieler in die Kreisstadt mit den markanten Kreisverkehren verirrt, Aglaia Szyszkowitz und Walter Sittler. Gespielt wurde das Stück "Gut gegen Nordwind" nach dem gleichnamigen Buch von Daniel Glattauer. Dieses hatte eine recht innovative literarische Form - es besteht zum allergrößten Teil aus e-Mails, die sich die Protagonisten Emmi und Leo gegenseitig schicken. Kann man so einen Stoff auf die Bühne bringen? Ja, man kann - sogar ohne dass irgendjemand im Laufe des Stücks die Tastatur eines Computers anfassen müsste. Die Schauspieler formulieren ihre e-Mails überwiegend frei in den Raum. Der Laptop ist nur Requisit, mit der vornehmsten Aufgabe, in manch schwerer Minute die Schauspieler in bedeutungsvolles schwaches Licht zu tauchen. Das Bühnenbild ist recht schlicht. Rechts die Bude von Leo mit Tisch, Stuhl, Sandsack und einer markanten Flasche Gerolsteiner Naturell, links das Zimmer von Emmi, mit Tisch, Stuhl und einem Bett zum drauf räkeln - das Stück lebt schließlich auch ein bisschen davon, dass Frau Szyszkowitz auch im bald etwas reiferen Alter noch gut in Form ist. Zwischen den beiden Lebenswelten eine halb hervorgezogene Trennwand. Die Wand ist das vielleicht wichtigste Bühnenelement des ganzen Theaterstücks. Manches Mal müssen die beiden Schauspieler quasi "gegen die Wand spielen". Man hört den anderen, aber sieht ihn nicht. Durch die Wand sind Emmi und Leo sich zwar irgendwie sehr nah, und doch so fern. Habe ich schon erwähnt, dass die Wand ziemlich metaphorisch ist???

Durch einige fehlgeleitete e-Mails finden Emmi und Leo in diesem Setting zueinander. Alsbald werden intime Phantasien ausgetauscht, aus den schriftlichen Mitteilungen entsteht jeweils das Idealbild eines Partners. Kann die Wirklichkeit dem standhalten? Durch einige Irrungen und Wirrungen kriegen die beiden kein vernünftiges Treffen auf die Kette, so dass die Beziehung rein im Virtuellen verbleibt. Emmi ist verheiratet, sucht aber ein Abenteuer (auch wenn sie lange braucht, sich das selbst einzugestehen). Leo hat im Grunde genug Anstand, die Finger von verheirateten Frauen zu lassen, aber irgendwann "übermannt" es ihn buchstäblich. Die beiden können sprichwörtlich nicht miteinander, und ohneeinander auch nicht. Und dann ist da auch noch Emmis Ehemann, der irgendwann mitbekommt, was seine Frau da mittels Computer treibt. Er bleibt im Theaterstück körperlos, tritt auch nur per e-Mail in Erscheinung, und hat sein eigenes Problem messerscharf erkannt: Das Idealbild des schriftlich-virtuellen Leo ist so perfekt, dass es keine Angriffsfläche bietet. So kann man nicht um seine Partnerin kämpfen... Die beiden mögen sich doch bitte endlich treffen, damit die Idealbilder von der Realität eingeholt werden. Dies fällt den beiden in Textform verkehrenden Turteltauben allerdings unendlich schwer.

Das Stück endet wie die Buchvorlage offen. Der Autor Glattauer hat noch einen zweiten Teil mit Happyend nachgelegt. Die beiden Schauspieler wussten später im Foyer beim Büchersignieren, dass auch dieser Teil ins Theater kommen wird. Allerdings leider nicht mit Sittler und Szyszkowitz - "wir haben zuviel zu tun". Die Tournee der beiden neigt sich jetzt dem Ende zu, am Jahresende soll Schluss sein mit Gut gegen Nordwind. In der Werbung im Vorfeld des Stücks u.a. auf www.meschede.de wurden als Schauspieler für Gut gegen Nordwind noch Tanja Wedhorn und Oliver Mommsen beworben. Immerhin wurden aber später korrekterweise Sittler/Szyszkowitz plakatiert. Kann mir jemand sagen, was es damit auf sich hat? Gibt es noch eine zweite Theatertruppe, die mit dem Stück durchs Land tourt? Für das Duo Wedhorn/Mommsen wäre ich aber wahrscheinlich nicht ins Theater gegangen.

Bei den entscheidenden Szenen wurde das Stück mit Musik u.a. von PeterLicht untermalt ("Räume räumen"). Bei dem Lied bin ich mir zwar ziemlich sicher, dass es eigentlich um Kapitalismuskritik geht (alles was PeterLicht macht ist im Grunde Kapitalismuskritik), aber auch bedeutungsschwangere Momente in modernen Bühnenstücken lassen sich damit begleiten. Sehr hübsch. Erinnerte mich stilistisch ein wenig an "Wartesaal" von Bosse.

Die Stadthalle war recht gut voll. Etwas naiv hatte ich daran geglaubt, dass sich mit so einem modernen Stoff vielleicht ein paar jüngere Leute ins Theater locken ließen. Stattdessen traf man doch wieder überwiegend die üblichen Verdächtigen. Das Problem ist wohl das Medium Theater an sich. Die Pause zur Mitte des Stücks hätte man vielleicht etwas besser lösen können. Nachher vermisste ich nämlich meine beiden namenlosen Sitznachbarn. Dass das Stück als so grottig empfunden wurde, dass die beiden fluchtartig den Saal verließen, möchte ich eigentlich nicht glauben. Also hat sie vielleicht die überraschende Pause - zack, Vorhang zu - irritiert? Die Stadthalle hat doch Projektionstechnik, und die wurde ja im Stück auch genutzt. Da hätte man doch mal eben das P-Wort einblenden können, um sich nicht unabsichtlich ein paar Zuschauern zu entledigen?

Wanderwoche 2011 - was brachte es?

echoray | 08 September, 2011 20:51

Ich bin daran erinnert worden, dass ich dieses Jahr noch gar nicht über die Wanderwoche gebloggt habe. Das hole ich hiermit pflichtschuldigst nach.

Völlig gegen jede Wahrscheinlichkeit war es mir tatsächlich gelungen, mich per Eisenbahn zum Startpunkt Bad Laasphe durchzuschlagen. Man fährt von Meschede aus ja auch nur schlappe 5 Stunden - gewissermaßen immer um den Berg rum, den sie Rothaargebirge nennen. Zu Fuß gehen ist nur unwesentlich langsamer, wie sich im Laufe der Woche herausstellen sollte

Diese Wawo war so klein und überschaubar wie noch nie. Gut 40 wackere Wandersfrauen und -männer machten sich auf den Weg von Bad Laasphe nach Meschede. Spirituelles Motto war diesmal "Was bringts mir?". Dieses Jahr war ich erstmals als Gruppenleiter unterwegs. Das ist ein Job, den ich eigentlich vorbehaltlos weiterempfehlen kann, weil er so entspannt ist wie sonst kaum eine "verantwortungsvolle" Position.

Am zweiten Tag habe ich dann selber eine Strecke vorgewandert. Weil ich ein Freund schlechter Witze zum Thema Zonengrenze bin, hatte ich einen Teil der Strecke über hessisches Gebiet gelegt. Okay, die zwei Kneipen am Weg waren auch ein Kriterium. Aber wie sollte ich ahnen, dass sich der Wirt eines hessischen Gasthauses auf unglaubliche Weise zum Horst machen würde, weil er schlichtweg nicht erkannte, dass hier Umsatz zu machen gewesen wäre, wenn er den Herd ausnahmsweise außerhalb der geregelten Mittagszeiten angeheizt hätte? Immerhin bot er damit dankbaren Stoff für den bunten Abend... Dass es auch anders ging, zeigte Tage später die Wirtin des wohl einzigen Gasthofs in Berlar. Sie öffnete extra für uns ihre Kneipe, obwohl sie gerade dabei war, ihre Locken zu wickeln. Damit war sie in Sachen Servicequalität ganz weit vorne.

Wanderwoche 2011
Einer der Neuzugänge im Orgi-Team. Nur echt mit Helm und Krawatte.

Wanderwoche 2011
Die wenigsten Teilnehmer werden es mitbekommen haben, aber in Hallenberg haben wir quasi in einem Baustofflager übernachtet.

Wanderwoche 2011
Bunter Abend, wegen fortgeschrittener Stunde leider schlechte Bildqualität. Diese Truppe hatte wohl "Genusstherapie" und "Apokalyptische Reiter" auf dem Zettel und machte daraus einen Dinner-for-One-Verschnitt. Ein echtes Highlight.

Wanderwoche 2011
Hier wird ein Pferdekopf nach Niedersfeld transportiert. Warum? Weil wir es können.

Wanderwoche 2011
Während der Wawo erreichte uns die Nachricht vom Tode Loriots. Die Vorwanderer nach Niedersfeld waren offensichtlich große Fans und bauten entlang der Route kleine "Loriot-Contests" ein. Bezüglich der bildhaften Ergebnisse bin ich auf das Nachtreffen gespannt.

Wanderwoche 2011
"Hier nächtigt ein Kanalarbeiter".

Wegen akutem Personalmangel bei den Sanis bin ich dieses Jahr in einem Schnellkurs zum "Blasenaufstecher" ausgebildet worden. Entgegen anderslautenden Gerüchten haben alle von mir behandelten Patienten die Behandlung überlebt.

Ebenfalls ein Erstlingswerk war dieses Jahr eine von mir abgehaltene Morgenrunde. Thema war "Hoffnung". Dafür habe ich einige überraschend positive Kritiken abgefangen. Wir notieren also für nächstes Mal: Es gibt eine gewisse Nachfrage nach Morgenimpulsen, die sich eher an der historisch-kritischen Methode orientieren.

Und dann war stiller Tag. Eigentlich war es ein ziemlich lauter Tag. Der Vortrupp hatte es geschafft, dass sich fast alle Wanderer erstmal im Wald verirrten. Plötzlich war Ende Gelände. Nun helft euch selbst... Mit meinem Navi habe ich ein paar Wanderer, die genug Vertrauen in die Technik hatten, wieder auf den rechten Weg geführt. Der Rest der Mannschaft ging wie man hört wieder komplett zum Fuß des Berges zurück, um dann auf einem anderen Weg nochmal neu hochzukraxeln. Die Sache war auch ein schönes Beispiel für Gruppendynamik in Stresssituationen. In der Krise scharren sich die Schafe um denjenigen, der am besten den Eindruck erweckt, die Truppe aus dem Wald bringen zu können. Dieser erweckte Eindruck muss nicht notwendigerweise mit tatsächlich vorhandenen Kartenlese-Skills korrelieren. Im Ergebnis hatte ich einen sehr einsamen stillen Tag. Selten habe ich wegen den Wegemarkierungen soviel geflucht wie auf dieser Etappe. Aber weil ich allein war, hat's nur der liebe Gott gehört...

Ach ja, das Wasser in der Turnhalle der Benediktiner ist auch ein Jahr nachd er Wawo 2010 immer noch kalt.

Mit dem Sonderzug zu den Matjestagen nach Emden

echoray | 05 Juni, 2011 13:38

Gestern ging es mit unserem Zug und der V 200 033 von Hamm/Bönen nach Emden, wo dieser Tage der Start in die Matjessaison 2011 gefeiert wird.

Zu den Matjestagen nach Emdem, 4.6.2011

Hier mal ein Blick in einen unserer Wagen. Der Zug der Museumseisenbahn Hamm besteht aus mehreren dieser "Umbauwagen" der DB aus den 50er Jahren, zusätzlich ist eine zum Thekenwagen umgebaute alte "Donnerbüchse" eingereiht. Während man in der 2. Klasse wie man sieht auf Kunstleder sitzt (im Gegensatzzu vielen heutigen DB-Fahrzeugen gut gepolstert), darf sich die 1. Klasse (im Hintergrund erkennbar) über Stoffpolster und Armlehnen freuen. Als kleiner Seitenhieb an die Verantwortlichen bei DB Fernverkehr sei mal gesagt: Es kommt wohl immer  drauf an, wie man sein Produkt vermarket. Es gibt sozusagen tatsächlich einen Markt für Reisen in unklimatisierten alten Fahrzeugen - unser Zug war mal wieder restlos ausgebucht.

Zu den Matjestagen nach Emdem, 4.6.2011

Frühmorgens, bevor der erste Fahrgast zugestiegen ist, sind hier die Eisenbahner der Museumseisenbahn Hamm unterwegs zum Zuganfangsbahnhof Bönen. Zu sehen ist der Bezirk Hde des Rangierbahnhofs Hamm. Immer wenn wir von unserem Bahnhof Hamm Süd auf die DB in die große weite Welt wollen, müssen wir hier durch.

Zu den Matjestagen nach Emdem, 4.6.2011

Nach gut 3,5 Stunden Fahrzeit kamen wir in Emden an, auch eine versehentlich gezogene Notbremse konnte uns nicht wesentlich aufhalten. Auf dem Emder Hauptbahnhof fand eine Invasion der Eisenbahnfotografen statt, denn ebenfalls zu den Matjestagen angereist war der VEV Vienenburg mit seinem Zug, bespannt mit E18 047 des DB-Museums. Auf besonderen Wunsch eines Emder Fischfabrikanten wurde arrangiert, die beiden Loks über Mittag gemeinsam vor seiner Fabrik abzustellen. Man kennt sich und hilft sich, deshalb haben wir den Vienenburger Zug gerne mit der Diesellok in die fahrdrahtlose Ladestraße gedrückt, damit sie dort Matjes für die Rückfahrt bunkern konnten.

Zu den Matjestagen nach Emdem, 4.6.2011

Stichwort Bunker. In Emden gibt es ein Bunkermuseum in der Innenstadt, das sich ironischerweise an diesem Tag krankheitsbedingt eingebunkert hatte. Ich wünsche der Bunkerbesatzung an dieser Stelle gute Besserung.

Zu den Matjestagen nach Emdem, 4.6.2011

DB Netz dazu zu bringen, Daten in die Zugzielanzeiger einzugeben, ist für Sonderzugveranstalter keine ganz leichte Aufgabe. In Emden schaffte man es immerhin, Bönen korrekt als Ziel anzuschlagen. Dass wir in Rheine halten würden, ist allerdings ein böses Gerücht. Die Zeit bis zur Abfahrt wurde genutzt, zahlreichen fragenden Fahrgästen des auf Gleis 5 abfahrenden Regionalexpress nahezubringen, wo eigentlich die Weltstadt Bönen liegt.

Die Sanshas kommen

echoray | 24 Januar, 2011 18:06

Seit mehreren Jahren spiele ich das Online-Multiplayer-Rollenspiel "EVE Online". Ich habe allerdings noch nie darüber gebloggt. Das ändere ich jetzt. Anlass ist das gestrige Live-Event. Da bei EVE sich alle Spieler auf dem selben Server befinden und es keine Instanzierung gibt, eignet sich EVE gut dafür, besondere Events abzuhalten, bei denen die Spieler in die Handlung einbezogen werden können. Seit nunmehr einem Dreivierteljahr läuft nun ein Handlungsfaden rund um einen überaus bösen Widersacher, der gestern seinen vorläufigen Höhepunkt gefunden hat.

In EVE Online bewegt man sich mit Raumschiffen in einer mehrere tausend Sonnensysteme umfassenden Galaxie. In dieser Spielwelt rivalisieren zahlreiche große und kleine Machtblöcke, davon einige spielergesteuert und einige als Nichtspieler-(NPC)-Mächte. Den "sicheren" Teil des Universums, in dem vor allem Piraterie unter den Spielern durch eine Polizei ("CONCORD" genannt) bekämpft wird, bilden die Machtblöcke Caldari/Amarr und Gallente/Minmatar (gemeinsam nennen wir sie das "Empire"). Wenn es CONCORD nicht gäbe, würden sich diese beiden Machtblöcke wohl postwendend gegenseitig an die Gurgel gehen. Das sollte man im Hinterkopf haben, wenn man die Ereignisse von gestern Abend einordnen will.

In der Hintergrundgeschichte von EVE gab es eine Figur namens Sansha Kuvakei. Dieser Mann hatte bereits vor 100 Jahren die "Sansha's Nation", einen utopischen Staat, gegründet. Sein kleines schmutziges Geheimnis war, dass dieser Staat auf der Unterjochung kybernetisch implantierter "True Slaves" fußte (wer sonst sollte die ganze Arbeit machen und Krieg führen?). Als dies bekannt wurde ließ man im Empire für kurze Zeit die inneren Konflikte ruhen, um Sanshas Unrechtsstaat von der Sternenkarte zu tilgen. Man glaubte bislang auch, dass dies im wesentlichen gelungen war. Kuvakei soll beim finalen Angriff auf seine letzte Festung getötet worden sein. Übrig blieben nur zahlreiche True Slaves, die weiter stur die letzten Befehle des Meisters ausführen.

Soweit der Hintergrund. CCP Games hat sich nun diesen Herrn Kuvakei für den aktuellen Live-Event-Handlungsbogen ausgesucht. Inzwischen weiß man, dass Kuvakei vermutlich ziemlich lebendig ist und im Verborgenen am Wiederaufbau seiner Nation strickt. Dazu drangen seit Mai 2010 während zahlreicher Live-Events immer wieder Sansha-Truppen ins Empire ein, um dort Leute von den Planeten zu entführen. Das englische Wort für ein solches Eindringen ist übrigens "Incursion". Die Entführten tauchen dann ein paar Tage später als willenlose und dem Meister hörige True Slaves wieder auf, um weitere Leute zu entführen. Kuvakei ist also ein durchaus dankbarer Gegner für uns Spieler von EVE Online, weil er so durch und durch böse ist - es wäre aber nicht EVE, wenn es nicht auch Spieler gäbe, die als Sansha-Loyalisten der Idee, die Galaxie zu versklaven, wohl durchaus etwas abgewinnen können. Sie unterstützten die Nation, wo sie können und kämpfen an ihrer Seite.

Was mir an den Sansha-Liveevents sehr gefällt ist, dass die Handlung nicht nur im Spiel, sondern auch Out-of-Game im Internet vorangetrieben wird. In Foreneinträgen, "geleakten" Dateien, per Twitter und speziellen Webseiten werden zum Beispiel Andeutungen zu Zeit und Ort der nächsten Incursion gemacht. Ein Beispiel für eine solche Internetseite ist der "Fluid Router eo-NATION". Gestern deutete sich an, dass eine solche Incursion um 22 Uhr deutscher Zeit im Yulai-Sonnensystem stattfinden würde. Wer eine zeitlang EVE gespielt hat weiß, dass sich in Yulai das Hauptquartier von CONCORD befindet. Eine Incursion in diesem System ist quasi so, als ob die Russen plötzlich in Berlin stünden. Deshalb habe ich an diesem Abend mal kein PvP im gesetzlosen Raum gemacht, sondern bin nach Yulai geflogen, um mal den Roleplaying-Gedanken hochzuhalten und die Show zu genießen.

EVE Online Live-Event 23.1.2011, Sansha-Incursion in Yulai

Mein Schiff für diesen Abend. Ein Battleship der Scorpion-Klasse. Eine Plattform für elektronische Kriegsführung. Diesen Schiffstyp benutzen wir im PvP, um die gegnerische Flotte blind zu machen. Heute an Bord: Systeme, um die Zielerfassung der Sansha zu stören und ihnen Energie abzusaugen. Ferner Cruise Missiles und gravimetrische Wellengeneratoren.

EVE Online Liveevent 23.1.2011, Sansha-Incursion in Yulai

Ei ei, wen haben wir denn da? Der lokale Chatkanal von Yulai vor Beginn der Incursion. In diesem speziellen Moment taucht kurz Slave Heavenbound02 im Chat auf. Er ist ein von CCP gesteuerter Sansha-Darsteller. An diesem Screenshot sind mehrere Dinge auffällig. Erstens sollten Darsteller anders als normale Spieler eigentlich nicht in der Liste des Local auftauchen. Aus irgendwelchen Gründen blitzen sie aber immer mal wieder kurz auf. Weiterhin zeigt mir mein Client bei Heavenbound ein kleines rotes Icon. Das steht normalerweise dafür, dass der Spieler offline ist. In meiner Naivität hatte ich einfach mal die ganze Sansha-Mischpoke in meine Kontaktliste aufgenommen, um Vorwarnungen für Incursions zu haben. Wie man sieht wird die Onlinemeldung bei CCP-Darstellern aber unterdrückt. Drittens achte man mal auf die Uhrzeit unten links. 20:42 Uhr. Um 21:00 Uhr sollte die Incursion laut den Hinweisen beginnen. Durch Heavenbounds Anwesenheit war nun klar, dass in Yulai etwas passieren würde. Ich überlegte kurz, ob ich meine Entdeckung samt Screenshot im Chat oder in den Foren anpreisen sollte. Immerhin befand sich in den Systemen Saisio und Ikao, einige Sprünge entfernt, eine mehrere hundert Mann starke Flotte der Hardcore-Rollenspieler von FCORD und dem Synenose Accord. Diese Jungs hatten ganz im Stil von "wir wollen auf alles vorbereitet sein" nicht in Yulai, sondern an zentralerer Stelle gesammelt. Wir würden sie aber gleich in Yulai brauchen.

 EVE Online Live-Event 23.1.2011, Sansha-Incursion in Yulai

Aha, die Presse hat auch den Weg gefunden...

EVE Online Live-Event 23.1.2011, Sansha-Incursion in Yulai

21:13 Uhr. Zu diesem Zeitpunkt habe ich bereits einmal von Sansha-NPCs heftig auf die Mütze bekommen, weil ich in ihrer Nähe ein Wurmloch am Yulai-Stern mit gravimetrischen Wellen bearbeitet habe. Schild und ein Teil der Panzerung sind weg. Aber ich bin lebendig aus der Nummer rausgekommen. Jetzt nehme ich Kurs auf den Supercarrier von Heavenbound und das Wurmloch am zweiten Planeten.

EVE Online Liveevent 23.1.2011, Sansha-Incursion in Yulai

Da ein weiteres Wurmloch am fünften Planeten gemeldet wird, begebe ich mich dorthin. Wieder ist ein Revenant-Class-Supercarrier anwesend, gesteuert von Slave Endoma01. Die kleinen Kreuze um den SC herum sind übrigens Drohnen, die ihn ebenfalls beschießen. Mit einer Hand feuere ich jetzt Raketen auf den SC, mit der anderen beharke ich das Wormhole mit gravimetrischen Wellen. Damit ziehe ich Beschuss von Endoma auf mich. Für einen Supercarrier eigentlich recht wenig. Aber genug, um besser zu verschwinden.

EVE Online Live-Event 23.1.2011, Sansha-Incursion in Yulai

Auch dem großen Meister scheinen die Dronen langsam lästig zu werden.

EVE Online Live-Event 23.1.2011, Sansha-Incursion in Yulai

Wir kommen langsam dahinter, was die Sansha in Yulai überhaupt vorhaben. Sie wollen mit Material aus dem Yulai-Stern eines ihrer temporären Wurmlöcher permanent stabilisieren.

EVE Online Live-Event 23.1.2011, Sansha-Incursion in Yulai

Hier nochmal so ein kleiner Chatfehler, der mir drei Sansha-Darsteller preisgibt. Ich bin am 11. Planeten an einem Wormhole zugange. Die Bombardierung mit gravimetrischen Wellen hat sich bei vergangenen Events als Weg bewährt, den Sansha unerwarteterweise den Rückweg abzuschneiden.

EVE Online Live-Event 23.1.2011, Sansha-Incursion in Yulai

Mein Schiff und ein Raven-Class-Battleship eines anderen Spielers hautnah am Wormhole. Meister Kuvakei gibt bekannt, dass irgendetwas schiefgegangen ist. Der SC von Slave 32152 wurde wohl zerstört.

 EVE Online Live-Event 23.1.2011, Sansha-Incursion in Yulai

Der Lebenslauf von Slave Endoma01. CCP hat sogar Sinn für die Details. Slave Endoma hieß bis zum 16. Mai 2010 noch Sutola Endoma und arbeitete bei CONCORD. Dann hat sie sich während einer Incursion versehentlich als Sansha-Spion selbst enttarnt. Das war eine der unerwarteten Wendungen der Sansha-Events. Irgendein Spassvogel hat 6666 ISK Kopfgeld auf sie ausgesetzt.

Ich bin mal wieder auf Tuchfühlung mit Heavenbound. Auch dieser Sansha-Commander hat eine interessante Geschichte. Zu einem Zeitpunkt, als CCP zu dem Schluss kam "wir brauchen mal mehr verschiedene Sansha-Charaktere bei den Incursions" hatte ein Rollenspieler mit Nachnamen Heavenbound einen Thread aufgemacht "Buhu, meine ganze Familie haben sie entführt". Das hat man bei CCP gelesen, und Slave Heavenbound02 war geschaffen. Es gab dann bei einigen Events ein paar nette Dialoge zwischen dem Slave und dem Rollenspieler.

EVE Online Live-Event 23.1.2011, Sansha-Incursion in Yulai

Hier mal ein Screenshot eines Revenant ganz ohne störende Bedienelemente. Das kleine Kröppzeug rundherum sind keine Schiffswracks, sondern Spieler-Schiffe - einige davon selbst mehrere hundert Meter groß. Wenn wir als Spieler so einen Supercarrier bauen wollen, müssen dazu eine Menge Leute erstmal wochenlang mit Lasern auf Steine schießen, um an genügend Erze ranzukommen.

EVE Online Live-Event 23.1.2011, Sansha-Incursion in Yulai

Infoblatt zum Sansha Revenant. Blaupausen für das Schiff werden in begrenzter Zahl unter die Teilnehmer der Live-Events gestreut. Wie ich erfuhr hat auch meine Spieler-Koalition gestern einige erbeutet.

EVE Online Live-Event 23.1.2011, Sansha-Incursion in Yulai

Der Meister hat fertig. Dieses Mal hat die Nation gewonnen und ihre Ziele erreicht. Der Kampf verlagert sich jetzt von Yulai in das Sonnensystem Promised Land - dieses hat wohl wegen seines Namens auf Kuvakei eine gewisse Anziehungskraft.

EVE Online Live-Event 23.1.2011, Sansha-Incursion in Yulai

...zwischenzeitlich am Planeten 5. Sutola Endoma ist in Schwierigkeiten. Durch ständiges Rammen des Supercarriers haben wir sie bereits 263 km vom rettenden Wurmloch weggetrieben. Bei der Bekämpfung von Capitalships eine gängige Taktik. Dauerndes Rammen macht zwar keinen Schaden, verhindert aber ein Ausrichten des Opfers zum Warpen. So kann er nicht weg. Endomas Hoffnung, dass ihr Meister sie rettet, wird sich nicht erfüllen. Sie wird in Yulai vernichtet werden. Macht aber nichts. So wie wir Spieler auch, hat sie einen Klon, der nächstens für sie einspringen kann. Sutola Endoma wird uns also erhalten bleiben.

Da es schon spät war und Promised Land darüber hinaus im Niedrigsicherheitsgebiet liegt, bin ich an dieser Stelle nach Hause geflogen. Nicht dass ich ein Kind von Traurigkeit wäre - ich operiere täglich im Nullsicherheitsgebiet. Aber nach 23 Uhr in piratenverseuchtem unbekanntem Gebiet zu fliegen - das können andere machen.

Das Endergebnis der Schlacht von Yulai waren zwar einige tote Sansha-Supercarrier, die Nation konnte ihre Ziele aber im wesentlichen erreichen und ein Wurmloch stabilisieren, das sie für zukünftige Angriffe nutzen kann.

echoray begeht Republikflucht

echoray | 12 Dezember, 2010 21:04

"1378 (km)" ist ein Kunstprojekt, das derzeit in den Medien Wellen schlägt. Es handelt sich um ein Computerspiel, ein kleines "Ballerspiel", das an der ehemaligen innerdeutschen Grenze spielt. Es treten an: Bewaffnete DDR-Grenztruppen gegen unbewaffnete Republikflüchtlinge. Weil man also auf wehrlose Zivilisten schießen kann, gab es im Vorfeld der Veröffentlichung einen ziemlichen Aufschrei von DDR-Opferverbänden und der Bildzeitung ("Wird das widerwärtige DDR-Ballerspiel verboten?"). Im Gegensatz zur Mehrheit dieser Schreihälse, bei denen bei den Stichworten DDR und Ballerspiel Refelexe wie beim pawlowschen Hund einsetzen, habe ich mal die 4,99 EUR investiert, die Half-Life 2 Deathmatch bei Steam kostet (1378 km ist ein Mod dafür, und kein eigenständiges Spiel), und mir die Sache mal selbst angesehen.

DDR Ballerspiel 1378 km

Es geht los. Thüringen, der Wald am "Fulda Gap". Wir nehmen Kurs auf den DDR-seitigen Zaun.

DDR Ballerspiel 1378 km

Alle paar Minuten spawnt ein Loch im Zaun. Dieses gilt es zu finden und auszunutzen.

DDR Ballerspiel 1378 km

Wir sind im Todesstreifen. Jetzt aber flinke Füße...

DDR Ballerspiel 1378 km

Zu dieser Stelle sollte man sich orientieren. Die Betonblöcke sind unüberwindbar, aber an den Panzersperren hat man eine Chance. Im Hintergrund der BRD-seitige Zaun. Es droht noch eine große Gefahr: Die "Selbstschussanlagen" SM-70, hier schwach am Zaun erkennbar.

DDR Ballerspiel 1378 km

Auch hier muss man wieder warten, bis ein Loch im Zaun spawnt. Die Tore zum Westen stehen weit offen.

DDR Ballerspiel 1378 km

Ein letzter Blick zurück.

DDR Ballerspiel 1378 km

Nach erfolgreicher Flucht wird man in diese 70's-Style Bude teleportiert. Das war's dann, und man kann sein Glück erneut versuchen.

Den Part der Grenzer zu bebildern spare ich mir mal. Diese Jungs haben die Wahl, die Flüchtenden entweder zu erschießen (die Abschlußszene ist dann ein Mauerschützenprozess), zu verhaften, oder auch selbst in den Westen abzuhauen. Das ist alles.

Das Spiel ist in Wirklichkeit gar kein Spiel, sondern tatsächlich eher ein Kunstprojekt. Es könnte ein Spiel werden, wenn man den Flüchtlingen irgendwie die Möglichkeit einräumen würde, ihre Löcher in den Zaun selbst schneiden zu können. So wie das Spiel aber derzeit ist, sind sie schlicht zur Passivität verdammt. Löcher tun sich an nicht vorhersehbaren Stellen auf - oder auch nicht. Die Kritiker sollten sich beruhigen. Es ist nicht zu erwarten, dass emotional fehlgeleitete Ballerspielkonsumenten künftig in großem Stil Jagd auf wehrlose Flüchtlinge machen. Denn nach zwei oder dreimal hat man als Flüchtling schlicht keine Lust mehr, sich den Zufällen der spawnenden Zaunlöcher auszuliefern und loggt sich aus.

Die 200-Seiten-Lohnabrechnung

echoray | 29 November, 2010 20:28

Überraschenderweise erreichte die Lohnabrechnung für den Monat November unsere Firma nicht wie üblich per Brief, sondern mit dem Paketdienst DPD. Das Rechenzentrum der DATEV hatte ein dickes Paket geschnürt. Drin waren geschätzte 200 Seiten Papier. Dabei haben wir nur 10 Mitarbeiter und kommen für gewöhnlich mit etwa 25 Seiten aus... Die DATEV hatte die Lohnabrechnung offenbar in achtfacher Ausfertigung gedruckt. Ein Anruf beim Steuerberater klärte die Frage nach dem Warum: Die Leitung zur DATEV war wohl mal wieder besonders lang, da hatte er achtmal auf den Absenden-Knopf geklickt, weil aus unerfindlichen Gründen keine Rückmeldung kam.

Die Senior-Geschäftsführung war leider nicht dafür zu begeistern, mal ein Foto von dieser außergewöhnlichen Abrechnung zu machen und hat 7 Ausfertigungen mitsamt der Verpackung alsbald vernichtet. Man muss schon ein Kind des Internetzeitalters sein, um der Sache noch Humor abgewinnen zu können. Bei mir hat das Ding nämlich sofort Assoziationen an die 300 page iphone bill geweckt. Aber weil ich die 200-seitige Lohnabrechnung nicht fotografieren und auf Video bannen durfte, werde ich jetzt nicht berühmt und muss weiter Schinken verkaufen ;-(

Umzug

echoray | 21 November, 2010 16:16

Um die Leser meiner privaten Homepage nicht länger mit Eisenbahn-Fachchinesisch zu erschrecken, wurden meine bahnfachlichen Artikel auf bahn.echoray.de verschoben. Reiseberichte und Artikel für Nicht-Eisenbahner bleiben hier an dieser Stelle.

Zur Weinprobe an die Ahr

echoray | 11 Oktober, 2010 12:45

Meine Museumseisenbahn denkt gerade darüber nach, wie denn wohl alte Eisenbahn und Web 2.0 zusammengebracht werden können. Vielleicht wird zukünftig ganz offiziell live aus dem Zug der Museumseisenbahn Hamm getwittert... Bis es tatsächlich soweit ist nutze ich mal meinen eigenen Kanal ins Web 2.0 und berichte von unserer gestrigen Sonderfahrt ins Ahrtal.

MEH Sonderfahrt ins Ahrtal, 10.10.2010

Das ist das Prunkstück unseres Vereins, die V 200 033. Hier vor der Abfahrt in Hamm Hbf. Mit unserem 50er-Jahre-Wagenpark ging es mit Halt in Bönen, Unna und Bonn in das Ahrtal, wo am 10. Oktober in mehreren Orten Weinfeste stattfanden.

MEH Sonderfahrt ins Ahrtal, 10.10.2010

Gleis 13 in Hamm ist so etwas wie das Gleis 9 3/4 in King's Cross: Für Muggel nicht ohne weiteres erkennbar.

Neben den "normalen" Fahrgästen auch im Zug: Eine Gruppe von Engländern. Wenn ich sie kurz beschreiben müsste würde ich sagen "die Freunde des Maybach-Motors". Diese Leute reisen quer durch Europa, um dem satten Sound der Motoren von Maybach zu lauschen (diese Firma ging in den 60er Jahren zunächst im Daimler-Benz-Konzern und später im Unternehmen MTU auf). Unsere V 200 033 ist da besonders qualifiziert, denn sie hat gleich zwei Maybach-Motoren, und auch die Getriebe sind von Maybach. Unter den Eisenbahnfreunden sind diese Engländer also nochmal eine Sorte mit einem ganz speziellen Fetisch. Ich hatte die Gelegenheit, während der Fahrt den Organisator dieser Touren zu befragen, was das mit dem Maybach-Sound denn soll. "It's a very english thing" antwortete er. "Yes, indeed!" kann ich da nur sagen...

Unsere Fahrt begann buchstäblich "pünktlich wie die Bundesbahn". Nur die Anlieferung von 130 frischen Brötchen durch einen externen Dienstleister in Bönen müssen wir nochmal üben lassen... Gewiss, es ist ein ungewöhnlicher Wunsch, dass jemand Brötchen auf den Bahnsteig geliefert haben möchte, aber wenn wir sagen "Bahnsteig", dann meinen wir auch Bahnsteig und nicht "vor dem Bahnhof". Über Wuppertal und Köln-Kalk ging es über die Kölner Südbrücke nach Hürth-Kalscheuren, wo wir in die Linke Rheinstrecke einfädelten. Leider kamen wir erstmal nur bis kurz hinter Brühl, wo wir auf freier Strecke gestoppt wurden. Nothaltauftrag. Zunächst ohne weitere Begründung. Kurze Zeit später stellt sich heraus, dass der unmittelbar vor uns fahrende Zug einen Menschen überfahren hat. Das bedeutet natürlich auch, dass es für etwa 2 Stunden nicht geradeaus in Richtung Bonn weitergeht. Also erstmal den Zug die paar hundert Meter bis Brühl zurücksetzen. Das hat für unsere Fahrgäste den Vorteil, dass sie sich dort am Bahnsteig die Beine vertreten können. Zusammen mit der zuständigen Betriebszentrale der DB Netz fällt die Entscheidung, unseren Zug über Hürth-Kalscheuren und Euskirchen nach Bonn umzuleiten. Im Nachhinein muss man anerkennend sagen: Die Sache entwickelte sich zu einem Lehrbeispiel für reibungslose Zusammenarbeit im Störungsfall zwischen DB Netz und uns als Eisenbahnverkehrsunternehmen. Die beteiligten Fahrdienstleiter waren fit, freundlich, schnell und flexibel. Als wir in Brühl Gbf ankamen hatte die BZ bereits unseren Umleitungsfahrplan nach Brühl gefaxt, so dass es sofort weitergehen konnte. Die Unterlagen wurden kurzerhand vom Fdl Brühl vom Türmchen runtergeworfen und unten von unserem Lokführer aufgefangen. Der Fdl Euskirchen ließ uns noch vor der Regionalbahn auf die Strecke (die ja an jeder Milchkanne anhält und deshalb eine niedrigere Durchschnittsgeschwindigkeit hat als unser Zug, dessen historische Wagen für 90 km/h gut sind). So stellt man sich das vor.

MEH Sonderfahrt ins Ahrtal, 10.10.2010

Unsere Lokomotive beim Umsetzen in Brühl.

MEH Sonderfahrt ins Ahrtal, 10.10.2010

Das Schlussignal steckt, es ist alles bereit für die Fahrt zurück nach Hürth.

Mit +140 Verspätung wurde schließlich Bonn erreicht. Von dort ging es weiter nach Remagen und dann rechts ab "in die Wildnis". Die Orte Ahrweiler, Dernau, Mayschoss und Altenahr luden unsere Fahrgäste zu verschiedenen Aktivitäten rund um den Wein ein. Ich selbst bin in Altenahr ausgestiegen, um ein Stück dem "Rotweinwanderweg" zu folgen.

MEH Sonderfahrt ins Ahrtal, 10.10.2010

Wenn man mal 5 Minuten in Altenahr-City verbracht hat, springt einem das grundlegende Problem der Ahrdörfer förmlich ins Gesicht: Diese Orte sind offensichtlich zu einer Zeit gebaut worden, als der Verkehr noch mit Kutschen abgewickelt wurde und insgesamt überschaubar war. Die Bürgersteige sind für den heutigen Touristenandrang in der Weinsaison viel zu schmal. Im Grunde müsste man die Häuser entlang der Hauptstraße einmal komplett abreißen und die Straße mit breiten Bürgersteigen neu bauen.

MEH Sonderfahrt ins Ahrtal, 10.10.2010

Da hatte jemand richtig Durst beim Aufstieg zur Burg Are.

Das Highlight in Altenahr ist neben dem Wein sicherlich die Burg Are. Ich kann wirklich nur empfehlen, sich mal die Mühe zu machen und bis ganz oben auf den Bergfried zu kraxeln. Die Aussicht auf die imposante Landschaft im Ahrtal entschädigt für alle Anstrengungen.

MEH Sonderfahrt ins Ahrtal, 10.10.2010

MEH Sonderfahrt ins Ahrtal, 10.10.2010

Hier sehen wir zwei Bahnbrücken in Altenahr. Die eine trägt das Gleis der Ahrtalbahn, die andere nur ein paar Büsche. Ich bin mir im Moment nicht sicher, ob die Ahrtalbahn früher mal zweigleisig war, oder ob ein Ausbau geplant aber nicht bis zu Ende umgesetzt wurde. Auch in Mayschoss existiert neben dem Bahntunnel eine zweite Tunnelröhre, die heute als Fahrrad/Fußgängertunnel genutzt wird, aber bestimmt für die Eisenbahn gebohrt wurde.

Der Rotweinwanderweg verbindet einige der Ahrdörfer miteinander. Ich bin ihn von Altenahr nach Mayschoss gegangen. Mehr war wegen des verkürzten Aufenthalts im Ahrtal wegen der Streckensperrung leider nicht möglich. Der Wanderweg ließ sich erst ganz gut an. Nach ein paar hundert Metern kam schon der erste Verkaufsstand am Wegesrand, wo einem Federweißer und Federroter kredenzt wurde. Dazu ein Weg, der bei strahlendem Sonnenschein hoch über den Weinbergen auf dem Hügelkamm entlangführt. Leider erfüllte sich meine Hoffnung, in kurzen Abständen weitere Weinchen kippen zu können, nicht. Den nächsten Wein gabs erst in Mayschoss. Wenn ich mehr Zeit gehabt hätte wäre ich gerne noch bis Dernau gewandert. Auf jeden Fall eine gute Idee, dieser Rotweinwanderweg.

Abends ging es dann wieder Richtung Heimat. Auf dem Weg dorthin war allerdings bahnbetrieblich noch eine Sache zu erledigen: Durch unser Kopfmachen in Euskirchen wäre unser Zug falschrum in Hamm angekommen, was wegen örtlicher Besonderheiten auf unserer Strecke Hamm-Lippborg nicht geht. Das wurde kurzerhand in Köln-West durch erneutes Umfahren mit der Lok richtiggestellt.

Der Aufenthalt an der Ahr fiel zwar wegen der Umleitung des Zuges kürzer aus als geplant, aber ich denke doch, dass uns die Fahrgäste gewogen bleiben. Die nächste öffentliche "große Fahrt" unseres Zuges findet am 11. Dezember in bewährter Manier statt. Ziel ist dann die Hansestadt Bremen mit dem Weihnachtsmarkt.

Überrollt

echoray | 30 August, 2010 20:55

"Überrollt" steht vorne auf dem Cover. Darunter: "Ein Trainspotter-Krimi". Das ist was Neues. Das hat noch keiner probiert. Ein Krimi, der in der Welt der Eisenbahnfreaks, der Fotografen und Forenbenutzer spielt. Erschienen ist er im Selbstverlag als Book on Demand.

Der Autor Harald Hechler ist offensichtlich ein Kenner der Szene, und das macht den Reiz des Buches mit aus. Zentral für die Handlung ist ein Forum namens "Lokschuppen Online". Das ist eine ziemlich unverhüllte Anspielung auf "Drehscheibe Online", das zentrale Sammelbecken für alle, die in Deutschland über die große Eisenbahn diskutieren wollen, auf dem Laufenden bleiben wollen oder als Fotografen an den Strecken stehen. Ich selbst nutze DSO ja hauptsächlich lesend und würde mich eher in der Techniker- bzw. Betriebsbahner-Ecke verorten. Die "Trainspotter" bleiben mir eher fremd. Ich verspüre jedenfalls keinen Drang, mich stundenlang mit einem Stativ an ein Bahngleis zu stellen. Trotzdem nutze ich die fotografischen Ergebnisse aber gerne, um mich über das aktuelle Betriebsgeschehen zu informieren.

Insgesamt kann ich sagen: Die Charakterisierung der Forenbenutzer und der Eisenbahnfreunde überhaupt ist Hechler gut gelungen. Er spielt auch ziemlich gut auf der Klaviatur aus Cliffhangern, jähen Wendungen, Lichtblicken und Schwarzen Löchern. Kommt der Mörder womöglich aus dem engsten Umfeld des Protagonisten? Zwischendurch gibt es auch was fürs Herz. Die Botschaft ist: Selbst für den Topf eines Eisenbahnverrückten gibt es da draußen einen Deckel. Das Leben kann so einfach sein... Und nicht zuletzt lässt Hechler es kräftig krachen. Mehrfach werden Leute vom Zug überrollt, Autos und Lieferwagen durch Lokomotiven zerlegt. Bei ihm muss der Notfallmanager ordentlich Überstunden machen.

Jenseits der reinen Krimi-Unterhaltung wird sogar ein ernstes Thema angeschnitten. Nämlich die Frage, ob man wirklich jedes Lokomotiv-Bild mit Datum und Zugnummer im Internet veröffentlichen muss. Damit wird nämlich das Zugpersonal rückverfolgbar. Mir ist auch schon mal so ein Thread in DSO über den Weg gelaufen, wo dann auf dem Bild ein Stinkefinger aus dem Führerstandsseitenfenster gehalten wurde. Und natürlich fanden sich Zeitgenossen, die sowas selbstredend dem Arbeitgeber petzen würden. So ein unfreundlicher Tf gehöre schließlich aus dem Fahrdienst entfernt. Prost Mahlzeit. Natürlich sollte sich ein Lokführer darüber bewusst sein, dass er mehr oder weniger ständig im Blickpunkt der Öffentlichkeit steht. Andererseits sollte man anderen Menschen nicht ohne Not arbeitsrechtliche Probleme einbrocken.

Das Buch hat mich gut unterhalten, ein paar ganz kleine Kritikpunkte habe ich aber. Die Polizei agiert für meinen Geschmack etwas hilflos. Wir reden hier über Kapitalverbrechen. Da kann man schonmal einen Beschluss zur Herausgabe einer IP-Adresse erwirken. Und für ein perfektes Bucherlebnis hätte es noch einen Tick mehr Lektorat geben sollen. Für einen Nachwuchsschriftsteller ist das Ergebnis aber bereits in der ungeschliffenen Fassung überdurchschnittlich.

WaWo 2010 - Man gönnt sich ja sonst nichts

echoray | 29 August, 2010 13:37

Diese Woche war wieder Wanderwoche des Klosters Königsmünster in Meschede. Von Olpe am Biggesee ging es über Bilstein, Rönkhausen, Sundern, Neheim und Völlinghausen in 6 Etappen nach Meschede.

In den vergangenen Jahren war immer eine große Riege an Ungarn mit dabei. Da der maßgebliche Mensch in Ungarn allerdings just in der Wanderwoche Vater wurde, reichte es diesmal nur für zwei Teilnehmer, die auch ohne ihn den Weg nach Deutschland fanden. Nennen wir sie mal die "Quoten-Ungarn"... Insgesamt waren wir diesmal nur etwa 50 Wanderer, von denen am Ende 36 in Meschede ankamen. Die Ausfälle begründeten sich gottlob nicht aus gesundheitlichen Problemen, sondern aus privaten Terminen verschiedener Art - Geburtstage, Todesfälle, nicht länger genehmigter Urlaub und kurzfristig verfügbare Studienplätze zum Beispiel. Besonders bei den Gruppenleitern gab es ziemlichen Schwund. Auf der letzten Etappe waren 6 von 10 Gruppenleitern nicht verfügbar, so dass die verbleibenden Reste zweier Wandergruppen zusammengeschmissen wurden.

Mit 3 Etappen bei Sonnenschein und 3 bei Regen war das Wetter buchstäblich durchwachsen. Besonders die letzte Etappe hatte es da in sich. Mit Beginn des Unwetters am Freitagmorgen erreichte meine Gruppe das Gasthaus Schürmann am Lattenberg. Die später losgewanderten Gruppen hatten mehr Pech und kriegten erheblich mehr Wasser von oben ab. An dieser Stelle ein Dank an das humorvolle und engagierte Team des frisch renovierten Gasthauses Schürmann. Dort tat man wirklich alles, was durchnässte Wanderer brauchen konnten. Angesichts von Meldungen über eine Regenkatastrophe im Münsterland, Unwetterwarnungen und Meldungen des Vortrupps über regelrechte Sturzbäche auf den vorgesehenen Wegen entschied die Leitung, vom Lattenberg aus Gründen der Sicherheit nicht weiter Richtung Enste zu wandern, sondern die Gruppen mit Schürmanns Planwagen und dem Orgi-Bulli zum Sammelpunkt zu verlegen, wofür ich gerne unsere Scheune zur Verfügung stellte. Hinterhältigerweise regnete es bis zum Verlassen der Scheune überhaupt nicht mehr, dafür aber pünktlich zum Abmarsch Richtung Kloster um so heftiger. Insgesamt stelle ich fest, dass mein "Regenschutzkonzept" funktioniert hat und ich praktisch keine Last mit durchnässten Sachen hatte.

Thematisch stand die Wawo diesmal unter dem Motto "man gönnt sich ja sonst nichts". Das heißt nicht, dass es diesmal eine Luxus-Wawo gab, nein - man hauste nach wie vor unter primitiveren Umständen in Turn- und Schützenhallen (ausgerechnet die Turnhalle der Benediktiner selbst fiel unangenehm dadurch auf, dass es lange Zeit kein warmes Wasser gab) und trug eine Woche lang mehr oder weniger die selben Klamotten. Die Botschaft des Textheftes wie auch der Morgen- und Abendimpulse war im Kontext des Mottos allerdings, dass man durchaus nicht immer nur an andere Mitmenschen, sondern auch mal an sich selbst denken soll und darf.

Offen gestanden bewundere ich die Leute, die die Morgen- und Abendrunden sowie die Gottesdienste leiteten und sich tiefschürfende Gedanken zum Thema und zum Textheft gemacht haben. Ich könnte das nicht. Insbesondere fällt es mir schwer, das antike Geschreibsel aus der Bibel auf unsere heutige Zeit zu beziehen - und ich halte dies auch nicht in jedem Fall für sinnvoll. Allenfalls fällt mir dazu ein, dass es sich um einen Text handelt, der im Lichte seiner Entstehungszeit gesehen werden muss, damals das Zusammenleben der Leute regeln sollte und deshalb heute nur noch "with a bit of salt", wie der Engländer sagt, genossen werden sollte. So kann man natürlich keine Abendrunde bestreiten, denn für solche Einsichten hat die Kundschaft sicherlich nicht die Wanderwoche gebucht. Bei mir reichte es nur für eine Fürbitte. Die war zwar gewissermaßen in 5 Minuten beim Abendessen hingeschludert worden, aber immerhin eine Fürbitte, und ich konnte damit meiner späteren "Schwester im Geiste" aus der Patsche helfen.

Kommen wir nochmal darauf zurück, warum Menschen - oft jedes Jahr wieder - die Wanderwoche mitmachen. Ich habe da eine "Drei-Gruppen-Theorie" entwickelt. Die erste Gruppe sind wander-affine Menschen, die dies oft quasi als Sport betreiben. Bei ihnen gibt es einen gewissen Leistungsgedanken. Der religiöse Unterbau der Wawo spielt für sie eine untergeordnete Rolle. Die zweite Gruppe sind Menschen auf der Suche nach spiritueller Erleuchtung. Oft sind sie "Stammkunden" des Klosters Königsmünster und der angegliederten "Oase". Die dritte Gruppe sucht Lagerfeuerromantik, Geselligkeit und das zeitweilige Leben aus einem Rucksack. Zwischen diesen drei Polen kann man meiner Meinung nach die Wawo-Teilnehmer verorten. Ich würde mich irgendwo zwischen 1 und 3 befinden. Wenn einer abends die Klampfe rausholt und dazu Schlager gesungen werden, wenn sich Teile der Truppe abends zum Stockbrot am Feuertopf treffen, wenn eine Art Kurs in ungarischem Volkstanz improvisiert wird, dann finde ich das toll. Am nächsten Morgen gehe ich auf die Strecke und habe den Ehrgeiz, sie erstens zu Ende zu laufen und dies zweitens ohne nachher einen Sanitäter zu brauchen.

Dass das Wawo-Konzept recht gut sein muss, darauf deutet auch die Tatsache hin, dass die Abtei Bad Münster-Schwarzach es praktisch 1:1 kopiert hat. Weil allerdings dort dieses Jahr keine Wawo stattfand, verschlug es mindestens eine Teilnehmerin zu uns ins Sauerland.

Die Wawo-Hymne wurde mal wieder um zwei Strophen erweitert und hat damit eine stattliche Länge erreicht. Wenn wir so weiter machen wird ein abendfüllendes Opus daraus... 

Noch ein Wort zur GPS-Navigation. Diese setzt sich bei der Wawo immer mehr durch. Wie wir festgestellt haben, gibt es allerdings bei der Berechnung der zurückgelegten Strecke (ein für alle Gruppenmitglieder übrigens ziemlich zentrales Feature) Messungenauigkeiten von geradezu gewaltigem Ausmaß. Selbst bei nahezu baugleichen Garmin-Geräten mit identischem MTK-Chipsatz hatten wir am Abend regelmäßig Unterschiede von fast einem Kilometer, was die gemessene Wanderstrecke anging. Diese ließen sich nur teilweise dadurch erklären, dass mal einer mit dem Navi 200 Meter zum Pinkeln in den Wald gegangen war. Stark im Verdacht ist bei mir die im Wald heftig abnehmende Messgenauigkeit. Wenn da ein Punkt mal 20 Meter ab vom Schuss ist, werden diese 20 Meter wohl gezählt.
Überrascht war ich über die relative Vollständigkeit der von mir auf dem Navi verwendeten OSM-Karte. Da fehlte nur noch eine handvoll der von uns benutzten Wanderwege - am ehesten noch selten begangene Trampelpfade. Die breiten Wege waren nahezu alle bereits drin.

Bilder von der Wawo werde ich dieses Mal wohl zentral bereitstellen. Mal gucken, was sich die Hauptleitung dazu überlegt.

Warnwesten-Import

echoray | 29 Juli, 2010 11:29

Wer eine kleine logistische Herausforderung sucht, sollte sich mal daran probieren, in Deutschland Warnwesten in Größe M zu beschaffen. Die sind praktisch nicht zu bekommen.

Wer sich im Gleisbereich bewegt, hat nach dem Willen der Berufsgenossenschaft Warnkleidung zu tragen. Berufsrangierer haben dafür ihr Möhrchenkostüm, für alle anderen ist mindestens eine Warnweste gefordert. Auch meine Eisenbahn hat mir so ein Teil sozusagen dienstlich geliefert, schick mit Logo hinten drauf, aber leider in der unsäglichen "Universalgröße". Wenn man ein Mensch mit dem typisch deutschen Bierbäuchlein ist, ist diese Universalgröße durchaus okay. Ein schlankes Kerlchen wie ich geht aber in so einer Weste unter. Jedenfalls hatte ich den Wunsch, etwas "figurbetonteres" zu tragen. Und da fing das Elend an. Selbst die großen Arbeitsschutz-Spezialisten in Deutschland führen nur die Einheitsgröße. Workdress in Unna hat immerhin eine Weste in Größe L. Größe M gibt es in Deutschland praktisch überhaupt nicht. Es scheint kein wirklicher Markt für Westen in Körpergröße zu existieren, obwohl ja insbesondere das Baugewerbe ebenso wie die Eisenbahner die Weste zur Persönlichen Schutzausrüstung zählt. Vereinzelt findet man Größe M bei Werbeartikelversendern. Dabei ist allerdings Obacht geboten, da diese Westen oft nur die EN 471 Klasse 1 erreichen. Dabei geht es um die Fläche des reflektierenden und floureszierenden Materials. Die Bahn-BG (bzw. seit neuesten die Verwaltungs-BG, habe ich mir sagen lassen) fordert aber Klasse 2.

Nach einiger Recherche stellte sich heraus, dass in Österreich munter mit Westen aller Größen gehandelt wird. Insbesondere aufgefallen sind mir die Onlineversender Schloffer und Bannenberg. Schloffer tut sich leider etwas schwer, was die Lieferung an Privatkunden angeht. Bannenberg hat außer der Warnweste in M auch eine Warnjacke (sinnvoll wenn man zum Kuppeln ins Gleis steigt) mit Reißverschluss, die ich als Gelegenheitsrangierer einfach praktischer finde als die sonst üblichen Jacken, wo man mehrere Knöpfe einfädeln muss. Wenn man den ganzen Tag rangiert ist sowas okay, wenn man nur mal eben zwei Lokomotiven umsetzen will, nervt die Fummelei mit den Knöpfen. Und Bannenberg hat noch einen Vorteil: Er hat eine deutsche Niederlassung, man kann also bei dieser Niederlassung nach deutschem Recht einkaufen (wobei ich keine Ahnung habe, wie das österreichische Kaufrecht aussieht).

Tauglich

echoray | 22 Juli, 2010 19:37

Nachdem ich Betriebswirtschaft studiert, einen ziemlich guten Abschluss hingelegt, und Junior-Geschäftsführer in unserem Familienbetrieb geworden war, stellte sich die Frage "was kann jetzt noch kommen?" Seit vielen Jahren spielt für mich die Eisenbahn eine große Rolle in meiner Freizeit. Ich beschloss, jetzt mal meinem Herzen zu folgen. Und das sagte mir "Du solltest Dir nochmal eine Herausforderung suchen und irgendwie Lokführer werden, damit Du deinen Seelenfrieden hast". Soweit, so unkonkret. Wie wird man in diesem Land eigentlich Lokführer? - Na indem man sich bei einem Eisenbahnverkehrsunternehmen (EVU) bewirbt, sich ausbilden lässt und dort arbeitet. Das war aber kein gangbarer Weg, denn ich will ja meinen Beruf gar nicht aufgeben. Weiterhin ist es so, dass man praktisch zwingend ein EVU im Rücken braucht. Theoretisch könnte man sich zwar wohl auch ohne EVU ausbilden lassen, z.B. für teures Geld bei DB Training, da aber der Führerschein EVU-spezifisch ist, hätte man dann keinen Eisenbahnbetriebsleiter (EBL) in der Rückhand, der einem den Führerschein unterschreibt. Verlässt man das EVU, wird auch der Führerschein erstmal ungültig. Anhand der Prüfungsbescheinigungen, die man in seinem Eisenbahnerleben sammelt, wird dann vom neuen EBL ein neuer Führerschein ausgestellt - oder der EBL setzt neue Prüfungen an.

Stattdessen führt der Weg zum nebenberuflichen Triebfahrzeugführer über Museumseisenbahnvereine. Mit der Museumseisenbahn Hamm (MEH) habe ich das Glück, einen Verein mit netten Leuten und einem interessanten historischen Fahrzeugpark in relativer Nähe zu haben. Für die Erhaltung dieser Fahrzeuge lohnt es sich jedenfalls aus meiner Sicht, Freizeit zu opfern.

Bevor man im Eisenbahnbetriebsdienst tätig werden darf, muss eine Beurteilung der Betriebsdiensttauglichkeit nach der VDV-Schrift 714 oder DB-Richtlinie 107 (kommt beides aufs selbe raus) bei einem Verkehrsmediziner erfolgen. Diese Hürde habe ich zu meiner großen Freude tatsächlich genommen. Dazu war ich bei Dr. Müller bzw. der dbgs-Niederlassung Münster.

Früher waren Bahnärzte eine hochamtliche Einrichtung der Bundesbahn. Nach der Bahnreform wurden auch diese Bahnärzte privatisiert. Zunächst gliederte die Bahn AG ihre Bahnärzte in die DB Gesundheitsservice aus, und verkaufte dann etwas später diese ganze Organisationseinheit. An die ehemalige Zugehörigkeit zu DB erinnert heute nur noch der inzwischen kleingeschriebene Name dbgs.

In Münster residiert der lokale Bahnarzt Dr. Müller in den Räumen der alten Bahndirektion am nördlichen Rand des Hauptbahnhofs. Zugänglich ist die Praxis von dem Eingang an der Bahnhofstraße, wo die ganzen Bahn-Dienststellen sitzen. DB Regio NRW, Transnet und einige andere mit der Bahn verbundene Dienstleister konnte ich ausmachen. Sobald man im Gebäude drin ist, fragt man entweder den Pförtner, wo es langgeht, oder folgt auf eigene Faust der Beschilderung. Mit einem Schrieb von meiner Eisenbahn bewaffnet fand ich in der alten Direktion, die inzwischen zu großen Teilen leerzustehen scheint, tatsächlich die Praxisräume. Das Briefchen ist für den Arzt ziemlich wichtig, weil nämlich die Sonderwünsche des EBL drinstehen. Zum Beispiel kann er höhere Anforderungen als die Richtlinien stellen, oder er hat besondere Vorstellungen über psychologische Tests. Geprüft wird vor allem, was für den Bahnbetrieb unmittelbar relevant ist - Sehen, Hören, Farbsinn. Dazu weitere Tests und Messungen, z.B. Reflexe, Urinstatus, aber auch Größe und Gewicht - Fettleibigkeit und hoher Blutdruck scheinen Ausschlusskriterien für Eisenbahnfahrzeugführer zu sein.

Mit dem Tauglichkeitsgutachten in der Tasche beginnt jetzt eine spannende Zeit für mich. Mein Fernziel ist der Tf 2 nach FV-NE, das ist ein auf explizit genannte Schienenwege beschränkter Streckenlokführer. Der Weg dorthin wird lange dauern und führt über vorgeschaltete Ausbildungen zum Rangierbegleiter und Zugführer, nicht zu vergessen den nicht minder wichtigen "Kleinkram" wie Wagenprüfer und Bremsprobeberechtigter. Vor dem Tf 2 wird erstmal zum Tf 1 ausgebildet, das ist ein auf den Rangierdienst beschränkter Lokführer - in etwa vergleichbar mit dem früheren "Kleinlokbediener", den es heute so nicht mehr gibt. Der Tf 1 darf theoretisch auch auf "verdammt großen" Loks tätig werden und ist nicht mehr auf Kleinloks beschränkt, wenn er denn die entsprechenden Baureihenkenntnisse erworben hat.

Update 7.11.10:

Über einen interessanten weiteren Aspekt der Fahrdiensttauglichkeit habe ich in der ADAC-Motorwelt etwas gelesen. Und zwar Augen-Laser-Behandlungen ("Lasik"). Zumindest die DB scheint keine Lokführer einzustellen, bei denen in der Vergangenheit eine Lasik gemacht wurde. Begründet wird dies mit den unklaren Langzeitauswirkungen der Lasik. Solchem Personal müsste man aus Sicherheitsgründen Nachtschichten verbieten, deshalb nimmt man solche Leute nicht, und dem Bestandspersonal ist Lasik verboten. In der aktuellen VDV 714 steht zwar nichts dergleichen drin (dort wird einfach nur geprüft, ob Dämmerungssehen und Blendempfindlichkeit in Ordnung sind). Es handelt sich beim Lasik-Verbot also um eine gegenüber der Vorschrift "höhere gesundheitliche Anforderung" gemäß Punkt 3.7 der VDV-Schrift. Es mag dennoch NE-Bahnen geben, die auch Lasik-Lokführer nehmen. Die Bahnen können und dürfen diese aber wie gesagt vom Fahrdienst ausschließen, wenn ihnen danach ist.

Die FBG, die Fusion und das Unternehmermodell

echoray | 16 Juni, 2010 20:31

Habe ein dreitägiges Seminar bei der Fleischerei-Berufsgenossenschaft hinter mir. Schauplatz war das Schulungszentrum der FBG im schönen Reinhardsbrunn (das liegt im Thüringer Wald):

 FBG Reinhardsbrunn, Juni 2010

"Ihre BG-Beiträge bei der Arbeit" könnte man unter dieses Bild schreiben. Die Hütte wurde 1999 errichtet, um die bis dahin in Hotels stattfindenden Schulungen zum Unternehmermodell der FBG in einem standardisierten Rahmen an einem aus ganz Deutschland gut erreichbaren Ort stattfinden zu lassen. Das Schulungszentrum liegt eingebettet zwischen dem Schloss Reinhardsbrunn, dem Kloster Reinhardsbrunn und den Reinhardsbrunner Teichen (übrigens eine Keimzelle des deutschen Schwimmsports). Insgesamt ist das Umfeld in höchstem Maße sehenswert. Hier mal eine Impression von einem der Teiche:

FBG Reinhardsbrunn, Juni 2010

Trotz Aufbau Ost wird man in unmittelbarer Nähe aber noch immer daran erinnert, dass man sich in der ehemaligen DDR befindet, wie diese Hütte mit verbretterten Fenstern zeigt:

FBG Reinhardsbrunn, Juni 2010

Reinhardsbrunn liegt im Einzugsbereich der Stadt Gotha und wird von dort aus mit einer meterspurigen Straßenbahn angefahren:

FBG Reinhardsbrunn, Juni 2010

So, genug Tourismus. Ich war schließlich da, um etwas zu lernen. Das "Unternehmermodell" ist ein von einigen Berufsgenossenschaften angebotenes Modell zur Erfüllung des Arbeitssicherheitsgesetzes für Kleinbetriebe bis etwa 50 Mitarbeiter. Anstatt sich jährlich einen Sicherheitsingenieur und einen Betriebsarzt in die Firma zu holen besucht der Unternehmer alle 3-5 Jahre ein Seminar, macht eine Gefährdungsbeurteilung und sorgt für Unterweisung seiner Mitarbeiter im Umgang mit gefährlichen Maschinen. Bei einem 10-Mann-Betrieb spart das Unternehmermodell etwa 2000 Euro pro Jahr, die ansonsten dem besagten Sicherheitsingenieur/Betriebsarzt in den Rachen geworfen werden müssten.

Die Zukunft des Unternehmermodells ist derzeit leider etwas unklar. Die FBG soll mit der etwa zehnmal größeren BG Nahrungsmittel (zwangs)fusioniert werden. So ist es politisch gewollt. Die irren Politiker in Berlin wollen an die Verwaltungskosten ran, es ist angeblich total ineffizient wenn es viele BGs mit jeweils eigenen Verwaltungswasserköpfen gibt. Leider vergisst die Politik, dass die Verwaltungskosten nur etwa 5 % des BG-Beitrages ausmachen. Im Ergebnis wird für die Fleischbranche eine 5%ige Kosteneinsparung mit einer 20%igen Beitragserhöhung erkauft. Die FBG arbeitet hocheffizient, steht finanziell solide da, und ist sogar beliebt bei ihren Mitgliedsbetrieben (man ist schon vor vielen Jahren weg von Bußgeldern und Auflagen hin zu einem partnerschaftlichen Verhältnis mit den Unternehmern gekommen). Nichts davon trifft auf die BGN zu. Diese ist ein finanzielles Wrack, und sie setzt die Arbeitssicherheit nicht durch Schaffen von Einsicht bei den Beteiligten, sondern durch schiere Repression durch. Das kostengünstige Unternehmermodell will man dort nicht haben, weil es ja die eigene Kasse belastet. Sollen doch die Fleischereibetriebe für Sicherheitsingenieure und Ärzte zahlen!
Die FBG hat lange politisch für ihre Unabhängigkeit gekämpft, sich aber inzwischen ihrem Schicksal ergeben. Aber sie bietet wenigstens eine gute Show: Im Sinne einer "Giftpille", mit der die BGN geärgert werden soll, hat die FBG Anfang des Jahres im Vorgriff auf die Fusion einen Teil der Rücklagen aufgelöst und an die Mitgliedsbetriebe zurückgegeben, damit dieses Finanzpolster nicht der BGN in die Hände fällt.

Alles ganz anders

echoray | 21 Mai, 2010 18:13

Habe einen zweitägigen Erste-Hilfe-Lehrgang für betriebliche Ersthelfer absolviert. Nach dem 1-Tages-Kurs zum Führerschein und dem 4-Wochen-Lehrgang für Sanitäter bei der Bundeswehr war das jetzt das Dritte Mal, dass mir was von Erste Hilfe erzählt wurde. Man lernt aber immer noch was neues. Zum Beispiel hat man sich jüngst eine neue Form der stabilen Seitenlage ausgedacht.

Mein jetziger Ausbilder war sehr gut und blickte auf 33 Jahre Erfahrung im Rettungsdienst zurück. Entsprechend floss in die Ausbildung außer Theorie auch viel praktische Erfahrung ein. Und wenn man es mal im Vergleich sieht, merkt man auch so langsam, dass in EH-Kursen auch viel Scheiße erzählt wird. Ein Beispiel: Beim Führerschein hatte man damals überhaupt kein Wort über gebrochene Rippen bei der Herzdruckmassage verloren. Bei der Bundeswehr hieß es dann: "Wenn dabei Rippen brechen, scheißegal". Dagegen der Praktiker: "Versuchen Sie mal, Ihren Brustkorb einzudrücken.Sie kommen maximal 1 cm tief, müssen aber bei der Herzdruckmassage 4-5 cm tief drücken. Das bedeutet Sie MÜSSEN das Brustbein brechen. Es geht nicht anders". Warum hat mir das früher keiner gesagt?

Was mir bisher auch niemand gesagt hatte: Die Herzdruckmassage dient einzig und allein dazu, den Blutfluss aufrecht zu erhalten. Ein stehengebliebenes Herz springt davon auf keinen Fall wieder an. Das geht nur mit Adrenalin oder Atropin. Deshalb muss man den ganzen Zirkus ja machen, bis der Rettungsdienst eintrifft.

Aus der Kategorie "Die  Wirklichkeit ist anders als im Fernsehen": Wenn im TV jemand eine Nulllinie auf dem EKG hat, kommt der Defibrillator zum Einsatz. Dann wird einmal geschockt, noch zweimal der Strom hochgedreht, damit es schön spannend ist, und dann kommt das Herz wundersamerweise in Schwung. Das funktioniert so nur im Fernsehen. Mit einem Defi kann man kein Herz aus der Nulllinie wieder "neu starten". Das geht nur mit den schon genannten Medikamenten. Ein Defi dient im Gegenteil sogar dazu, eine Nulllinie zu erzeugen, und so das Kammerflimmern zu beenden. Durch den Schock wird das Herz totgelegt. Die Wiederanfahrt der Pumpe muss dann anderweitig bewerkstelligt werden.

Als es um das Helmabnehmen bei Motorradfahrern ging, berichtete der Profi von Aufklebern am Helm "Der Helm ist nur vom Notarzt abzunehmen". Das klingt erstmal wie eine gute Idee. Jeder weiß, wenn da was schiefgeht ist man nachher vielleicht querschnittsgelähmt, und der Notarzt ist der höchstqualifizierte Retter am Ort. Würde man meinen. "Ja glauben Sie im Ernst, ein deutscher Notarzt würde in der Ausbildung lernen, wie man fachgerecht einen Helm abnimmt?" Tja, dumm gelaufen. Also vielleicht doch besser den Rettungsassistenten ranlassen.

The Needs of the Many - Das Buch zum Spiel

echoray | 24 April, 2010 18:10

So langsam wird es üblich, auch Computerspiele medienübergreifend zu vermarkten. Da gibt es dann zu einem Spieleuniversum Filme, Bücher, Brettspiele und allerhand sonstigen wertlosen Tinnef, auf dass die Kassen der Lizenzgeber sprudeln mögen.

In diese Richtung geht auch "The Needs of the Many" von Michael Martin. Das ist zunächst mal nur ein weiterer Roman im Star-Trek-Universum. Was ihn besonders macht, ist seine Ankopplung an das Rollenspiel "Star Trek Online". Für Leute, die bereits in der STO-Geschichte zuhause sind, ist das wichtigste in diesem Buch wohl der Anhang: Erstmals findet der geneigte Fan die vollständige STO-Zeitlinie abgedruckt, also auch den von Cryptic Studios bisher nicht veröffentlichten Teil von 2393 bis 2409. Das war's, wir könnten alle nach Hause gehen. Ach, stopp, ein paar Geschichtchen rund um die STO-Hintergrundstory gibt es auch noch. Mit ein paar Jahren Abstand wird uns rückblickend etwas über den Krieg der Föderation mit den Undine erzählt.

Nicht jedermanns Sache dürfte der Interview-Stil sein, in dem das Buch überwiegend geschrieben ist. Da es allerdings keine Hauptpersonen gibt, denen das Buch entlang eines Handlungsstrangs folgt, ist diese Wahl durchaus sinnvoll. Als Interviewer dient Jake Sisko, die jugendliche Kackbratze aus DS9, die inzwischen aber auch ein stattliches Alter erreicht hat. Interviewpartner sind zum überwiegenden Teil bekannte Leute aus dem ST-Universum, die dann erhellende Dinge zum Undine-Krieg sagen, darunter Kathryn Janeway, Schneidermeister Garak, die Timecops Dulmer und Lucsley, Worf, Kassidy Yates und andere mehr.

Wir erfahren, dass Data, nachdem man ihn in B-4s Körper wiederbelebt hat, einen Selbstmordversuch unternahm. Der arme Worf plagt sich mit dem Gedanken, ob er ein Deepcover-Agent der Undine ist, ohne es zu wissen. Dulmer, der Mann von der temporalen Ermittlung, hat von seinen Aktionen während des Undine-Krieges eine temporale Psychose überbehalten. Zu den schrägeren Ideen, wie man versucht hat, den Krieg zwischen der Föderation und den Klingonen zu verhindern, gehört ein Baseballspiel zwischen den Gorn und einem Baseballteam vom Planeten Cestus. Der Gewinner würde einige umstrittene Grenzplaneten bekommen, und die unterlegene Partei würde einfach so nach Hause gehen. Diese wirklich verwirrte Idee ist auf dem Mist von Kassidy Yates gewachsen. Und auf der vorletzten Seite holt der Autor nochmal richtig den Hammer raus. Rene Picard ist das Kind von Jean-Luc und Beverley Crusher. Okay, man wundert sich, dass die alte Schabracke nach 2379 noch im gebärfähigen Alter gewesen sein soll, aber gehen wir mal davon aus, dass die Reproduktionsmedizin im 24. Jahrhundert etwas weiter ist als heute. Aber dieser Rene ist verheiratet mit einer gewissen Natasha Miana, die ihrerseits das Kind von Will Riker und Deanna Troi ist. Was für ein Inzuchtverein... Die Kinder aus der Ehe Rene-Natasha haben dann Picard, Riker, Troi und Crusher als Großeltern. So eine Konstellation ist normalerweise ein Garant dafür, dass die Kinder das Erbe verjuxen und auch sonst aus dem Rahmen fallen, denn so große Fußstapfen kann man gar nicht ausfüllen.

Ro Laren ist auch in diesem Roman nicht dem Dominion zum Opfer gefallen, sondern hat es mal wieder zum Lieutenant gebracht und ist jetzt Sicherheitschefin auf DS9. Dass so eine Figur nicht einfach so der Nacht der langen Messer zum Opfer fiel, als der Maquis ausradiert wurde, darin sind sich ja alle Romanschreiber einig. Wie sie das geschafft hat, dazu wurden verschiedene Dinge geschrieben. Entweder, weil sie gerade tomatenzüchten war (nicht sehr heldenhaft...) oder weil sie einfach verdammt gut darin war, zu überleben. Die kratzbürstige Ro war zu Zeiten der TV-Serie eine Figur, die viele Fans vom Fleck weg faszinierte. Nach Quellenlage gab es wohl ernsthafte Versuche, die Schauspielerin (Michelle Forbes) für die reguläre Crew zu gewinnen, aber Forbes konnte irgendwie einfach nicht ja sagen. Anders ist der dreijährige Eiertanz um die Figur Ensign Ro nicht erklärbar. Mehr als einmal wurden von den Drehbuchautoren Brücken gebaut, um Ro in die nächste Star-Trek-Serie hinüberretten zu können. Als Bajoranerin sollte sie ursprünglich den Platz von Major Kira in DS9 einnehmen. Und noch in der vorletzten TNG-Folge wurde in der zu Ende gehenden Serie ein neuer Handlungsstrang gestrickt, über den man Ro in die Voyager-Crew hätte integrieren können, als sie nämlich zum Maquis desertierte. Aber es hat alles nicht sollen sein, Forbes wollte sich nicht auf Star Trek festlegen. Das weitere Schicksal dieser Figur wurde so zum Fall für die Romanautoren. Im vorliegenden Buch spielt Ro allerdings nur eine kleine Nebenrolle.

LaForge kriegt auch in der STO-Zeitlinie seine Leah (Leah Brahms, die Warpantriebsspezialistin, zu sehen in 2 TNG-Episoden). An der Figur der Leah ist die dahinterstehende Schauspielerin sehr interessant, Susan Gibney. Die wenigsten wissen, dass diese fast zu Captain Janeway geworden wäre. Kate Mulgrew war eigentlich nur die dritte Wahl. Erste Wahl war Genevieve Bujold. Das war ein Reinfall, weil diese Schauspielerin von Stimme und Statur her keinen taffen Captain rüberzubringen imstande war. Nachdem Bujold gefeuert war, wurden nicht nur Screentests, sondern nahezu der komplette Dialogteil des Voyager-Pilotfilms mit Gibney gedreht. Das war ein in der Geschichte von Star Trek  einmaliger Vorgang. Letztlich kam allerdings dabei nur heraus, was man aus den Castings eigentlich ohnehin schon wusste: Gibney wurde als zu jung empfunden.

Zurück zum Thema. Vom Buchrücken und den sonstigen Informationen zu dem Buch könnte man zu dem Schluss kommen, dass einem hier die Geschichte des Undine-Krieges erzählt würde. Diesen Anspruch kann das Buch nicht halten, und soll es auch gar nicht. Erzählt werden Geschichten vom Krieg, nicht die Geschichte des Krieges. Nach der Lektüre weiß ich genau gar nichts über den Verlauf des Krieges. Der glorreiche Sieg wird zwar immer wieder erwähnt, wie er aber zustande kam, darüber wird der Mantel des Schweigens gebreitet. Wahrscheinlich ist das Absicht. Entweder behält Cryptic sich vor, diese offenen Fragen später selbst zu beantworten, oder sie sind ein Fall für weitere Romane im STO-Dunstkreis.

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